Onlinekiosk Pocketstory Verlage erwarten Koppelkäufe statt Kannibalisierung

Freitag, 29. Mai 2015
Anke Rippert (l.) und Katarzyna Mol-Wolf sind Gesellschafterinnen von Pocketstory
Anke Rippert (l.) und Katarzyna Mol-Wolf sind Gesellschafterinnen von Pocketstory
Foto: Inspiring Network

Die zum Start von Pocketstory, dem ersten Onlinekiosk für Print-Einzeltexte in Deutschland, als Inhaltslieferanten beteiligten Verlage äußern sich erstmals zu dem Projekt. Im Interview mit  HORIZONT sprechen außerdem die Mit-Gesellschafterinnen Katarzyna Mol-Wolf und Anke Rippert über die Motive ihrer Beteiligung, ihre Erwartungen und die Kriterien für die Auswahl der Texte.

"Wichtige Informationen über das Medienkonsumverhalten" erhofft sich Stefan Buhr, Leiter Vertriebsmarketing des "Spiegel". Dem Kannibalisierungsrisiko stellt er "Koppelkauf-Chancen" gegenüber, wenn Leser anderer Titel über Themenhinweise auch auf den "Spiegel" aufmerksam werden.

Wie außerdem die Pocketstory-Partner "Zeit" und "Berliner Zeitung" damit umgehen, lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 22/2015, die am Donnerstag, 28. Mai erscheint. Auch das Frauenmagazin "Emotion" ist Content-Partner. Zugleich sind Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf und Anke Rippert, Co-Geschäftsführerin des "Emotion"-Verlages Inspiring Network, als Privatpersonen mit jeweils 5 Prozent am Onlinekiosk beteiligt. In HORIZONT Online sprechen sie über ihre Beweggründe.

"Wir haben keine Angst"

Sie sind als Privatleute an Pocketstory beteiligt, nicht über Ihren Verlag Inspiring Network. Wollten Sie das so – oder wollten die Hauptgesellschafter keinen Verlag in ihren Reihen?
Katarzyna Mol-Wolf: Das war eine bewusste Entscheidung. Wir unterstützen die Entscheidung von Pocketstory, im ersten Schritt verlagsunabhängig zu sein. Verlagsbeteiligungen auf Dauer aber grundsätzlich auszuschließen, wäre falsch.

Was ist das Hauptmotiv Ihrer Kapitalbeteiligung: Rendite – oder eher Erkenntnisgewinn?
Anke Rippert: Sowohl als auch. Wir sind Unternehmerinnen und haben uns beteiligt, da wir sicher sind, dass Pocketstory eine Erfolgsgeschichte werden wird. Außerdem wollen wir den digitalen Content-Markt in Deutschland mitgestalten.

Was versprechen Sie sich vom Einzeltext-Verkauf, also vom Zerpflücken Ihrer Magazine?
Rippert: Pocketstory bietet uns als Verlegerinnen die Möglichkeit, unsere Marke bei neuen Zielgruppen bekannt zu machen – und diejenigen zurückzugewinnen, die für ein klassisches Print-Angebot verloren sind, weil sie sich bewusst für digitale Angebote entschieden haben.

Werden Sie Pocketstory alle längeren Texte überlassen oder nur ausgewählte? Welche?
Rippert: Wir legen geeignete Texte im Austausch mit unseren Redaktionen und mit Pocketstory fest. Ab 5000 Zeichen.

Werden Sie Pocketstory auch die Texte aktueller Hefte überlassen – oder erst zeitversetzt?
Mol-Wolf: Ja, auch ganz aktuelle Hefte. Wir haben keine Angst.

Je mehr Pocketstory zur eigenständigen Best-of-Magazinmarke wird mit eigenen Leserkontakten, mit einer kuratierten Homepage, Ressorts, Newslettern, Suchfunktionen, Textvorschlägen und Themen- und Autoren-Abos, desto mehr laufen die Magazine Gefahr, treue Käufer kompletter Hefte zu verlieren. Wie groß ist diese Gefahr?
Mol-Wolf: Das Risiko gibt es, aber wir sehen vor allem die Chancen. Es ist doch so: Der Markt und die Lesegewohnheiten verändern sich stetig. Da muss man als Verlag auch reagieren und darf nicht ängstlich stehen bleiben. Unser Glaube an Print bleibt von den Möglichkeiten des ergänzenden digitalen Medienangebots unberührt.

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