Onlinehändler Warum Amazon massiv in Sportrechte investiert

Freitag, 25. November 2016
Amazon-Chef Jeff Bezos
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Amazon streckt in den USA die Fühler nach einigen der wichtigsten Sportrechte des Landes aus. Damit bläst der Versandhändler zum Angriff auf eine der letzten Bastionen der großen US-Networks. Mit der Übertragung der populären Sportarten will der Online-Versandhändler indes vor allem neue Kunden für seinen Dienst Amazon Prime anlocken.

Basketball, Football und Baseball gehören in den USA zu den Top-Sportrechten. Nach Informationen des "Wall Street Journal", das in dieser Woche über die Verhandlungen von Amazon mit den großen Ligen NBA (Basketball), NFL (Football) und MLB (Baseball) berichtet hatte, bereitet Amazon ein "exklusives" Angebot vor. Die Spiele sollen einerseits einzeln verkauft werden, vor allem aber neue Kunden von dem Premiumdienst Prime überzeugen. Die Prime-Mitgliedschaft beinhaltet neben dem Gratisversand von Bestellungen bei dem Onlinehändler auch unbegrenzten Zugriff auf Amazon Video und den Musikdienst Amazon Music.

Bislang hat sich Amazon vor allem auf fiktionale Inhalte wie Filme und Serien konzentriert. Mit Formaten wie "Transparent", "The Man in the High Castle" oder "Mr. Robot" hat sich der der Onlineriese innerhalb weniger Jahre zu einem der Top-Serienproduzenten gemausert. Laut einer aktuellen Studie von IHS Markit hat Amazon seine Investitionen in selbst produzierte Inhalte zwischen 2013 und 2015 mehr als verdoppelt. Steckte Amazon 2013 rund 1,2 Milliarden US-Dollar in Programming, waren es im vergangenen Jahr bereits knapp 2,7 Milliarden.

Auch in Deutschland forciert Amazon seine Produktionsaktivitäten: Mit der von Matthias Schweighöfer mitproduzierten Thrillerserie "You are wanted" hat das Unternehmen seine erste deutsche Eigenproduktion angekündigt, außerdem hat sich Amazon die exklusiven Erstausstrahlungsrechte für die zweite Staffel der ursprünglich von RTL in Auftrag gegebenen Serie "Deutschland 86" gesichert.

Amazon gehört damit neben Netflix zu einem der großen Treiber von Video-Streaming-Angeboten – doch mit fiktionalen Inhalten allein dürften ganz große Wachstumssprünge bei den Nutzerzahlen nicht mehr möglich sein. Die erhofft sich Amazon nun offensichtlich von den nach wie vor populärsten und reichweitenstärksten Bewegtbildinhalten überhaupt: Sportevents.

Letztendlich sind diese Inhalte für den Versandhändler in erster Linie Mittel zum Zweck und ein äußerst effektiver Hebel für das nach wie vor dominierende Versandgeschäft. Erst kürzlich hat Amazon sein Angebot um Mode erweitert – Sportübertragungen bieten nicht zuletzt hervorragende Umfelder, um das Geschäft mit Sportbekleidung und –artikeln anzukurbeln.
Christian Seifert
Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images

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Auch in Deutschland wird Amazon ein reges Interesse an Sportrechten nachgesagt. Hierzulande hat sich der Onlineriese im Sommer überraschend die Online-Audio-Rechte für die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2017/18 gesichert. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, das Amazon auch Interesse an den klassischen Internetrechten hat, die derzeit bei Sky und der Perform Group (DAZN) liegen. Ab Februar steigt in Deutschland der Preis für Prime-Kunden von 49 auf 69 Euro – und damit auch die Erwartungshaltung der Kunden. Exklusive Inhalte sind da das beste Lockmittel. dh

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