"Krautreporter" "Neues Geschäftsmodell etablieren"

Dienstag, 13. Mai 2014
Herausgeber und Gründer Sebastian Esser (Foto: Krautreporter)
Herausgeber und Gründer Sebastian Esser (Foto: Krautreporter)

Qualitätsjournalismus fürs Netz, verlagsunabhängig, werbefrei und finanziert allein durch die Nutzer - das Online-Magazin-Projekt "Krautreporter" ist ebenso spannend wie ambitioniert. Doch bevor die 25 namhaften Autorinnen und Autoren ab September in die Tasten hauen können, muss Gründer und Herausgeber Sebastian Esser in den nächsten vier Wochen 900.000 Euro Startkapital einsammeln - wie, erzählt er im Gespräch mit HORIZONT Online.

Krautreporter from Krautreporter on Vimeo.

"Krautreporter" basiert auf der gleichnamigen Crowdfunding-Plattform, auf der Autoren seitAnfang 2013 Geld zur Finanzierung ihrer journalistischen Projekte sammeln können. Vorbild ist das niederländische Erfolgsmodell "De Correspondent", das 2013 innerhalb kürzester Zeit über 17.000 Unterstützer fand und heute bereits über 30.000 Abonnenten zählt. Für die Finanzierung von "Krautreporter" sind 15.000 Abonnenten nötig, die das Angebot mit 60 Euro pro Jahr unterstützen. "Krautreporter" soll für klassischen, sorgfältig recherchierten Magazin-Journalismus in zeitgemäßer, multimedialer Aufbereitung stehen. "Wir wollen keine weitere Eilmeldungs-Maschine erschaffen, sondern mit ruhigem Blick und Hartnäckigkeit die Geschichten aufgreifen, die erzählt werden müssen, aber online zu selten erzählt werden", sagt Chefredakteur Alexander von Streit, früher Chef der deutschen "Wired" und aktuell "Vocer"-Herausgeber.

Das Redaktionsteam besteht zunächst aus 25 Autorinnen und Autoren, darunter Stefan Niggemeier, Jens Weinreich, Peer Schader, Richard Gutjahr und Tilo Jung. Laut "Spiegel" erhalten sie jeweils eine Pauschale von 2000 bis 2500 Euro im Monat, dafür wird ein Text pro Woche erwartet.

Drei Fragen an Herausgeber Sebastian Esser

Wieso braucht es in der deutschen Medienlandschaft ein Online-Magazin wie "Krautreporter"?

Ich finde, es gibt im Internet nicht so guten Journalismus wie in Print. Das hat auch mit dem Geschäftsmodell von Online-Journalismus zu tun. Displaywerbung und die ständige Jagd nach Klicks haben Auswirkungen auf die Art von Journalismus, die im Netz gemacht wird. Wir wollen ein neues Geschäftsmodell etablieren, bei dem die Leser unsere Arbeit ermöglichen und wir im Gegenzug auf Werbung verzichten. Ich denke, dass es vielen Leser wert ist, für guten Journalismus freiwillig Geld auszugeben.

Sie wollen innerhalb eines Monats 15.000 Abonnenten finden - dafür muss das Projekt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Wie soll das gehen?

Wir setzen darauf, dass sich die Idee einfach durchsetzt; über Social Media, E-Mail, persönliche Kontakte und auch Pressearbeit. So wollen wir genau diejenigen finden, die bereit sind, uns zu unterstützen. Ich glaube, dass diese Zielgruppe sehr groß ist - im Grunde sind es alle Leute, die sich für guten Journalismus interessieren. Und wenn wir nur einen Bruchteil davon erreichen, dann schaffen wir's.

Dann schaffen Sie's, aber was passiert, wenn Sie die 900.000 Euro verfehlen und bei beispielsweise 850.000 Euro landen?

Es gilt das Prinzip alles oder nichts. Wir haben die niedrigst mögliche Summe angesetzt - funktioniert es nicht, gehen wir nach Hause und haben viel dazugelernt. Die Erfahrung bei Crowdfunding ist aber: entweder es klappt oder es klappt nicht, und das meistens dann auch sehr deutlich. Deswegen hoffen wir, in den ersten zehn Tagen schon sehr viele Menschen zu erreichen. fam

Mehr zum Projekt "Krautreporter" lesen Abonnenten ab Donnerstag, den 15. Mai in HORIZONT 20/2014.
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