Olympia 2014 Zwischen Zustimmung und Skepsis - die Pressestimmen zum Hamburg-Votum

Dienstag, 17. März 2015
Mit diesem Claim ist Hamburg ins Olympia-Rennen gegangen
Mit diesem Claim ist Hamburg ins Olympia-Rennen gegangen
Foto: wir-sind-feuer-und-flamme.com
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Die Würfel sind gefallen: Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat sich für Hamburg als deutsche Bewerberstadt für die Olympischen Spiele 2024 ausgesprochen. Berlin geht hingegen leer aus. Das endgültige Votum fällt am Samstag, wenn die DOSB-Mitglieder abstimmen. Die vorläufige Entscheidung im Olympia-Duell zwischen der Haupt- und der Hansestadt beschäftigt heute natürlich auch die Medien landauf, landab. Die Kommentare schwanken dabei zwischen Zustimmung und Skepsis. HORIZONT Online zeigt ausgewählte Pressestimmen.

Peter Ahrens, Spiegel Online

"Es ist in jeder Form die kleinere Lösung. Das hat angesichts der Kritik am olympischen Gigantismus erst einmal Charme. Wenn Hamburg das umsetzt, was jetzt an wohlklingenden Plänen in Sachen Nachhaltigkeit vorgesehen ist, wäre dies durchaus im Sinne eines Rückbaus des Olympia-Wahnsinns, wie wir ihn in Peking oder Sotschi kennengelernt haben. Es ist allerdings auch die kleinmütigere Entscheidung. Mit einem Kandidaten Berlin hätte sich der DOSB noch weit offensiver mit der Kritik an einer deutschen Olympia-Bewerbung auseinander setzen müssen."

Raik Hannemann, Berliner Morgenpost

"In Zeiten, in denen sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit einer Reformagenda zumindest vage Veränderungen auferlegt hat, um den Zugang zur westlichen Welt nicht zu verlieren, ist Hamburgs Wahl allerdings weniger originell. Mit ihr bietet der Westen selbst nichts Neues an. Im Vordergrund steht dort weiter teure Stadtentwicklung mit vielen Neubauten, diesmal eben in einer kleineren Stadt. Berlin dagegen hätte die Nachhaltigkeit des Vorhandenen deutlicher betont, auch der unabdingbare Abgleich mit den Propaganda-Spielen von 1936 hätte Veränderung für die Olympische Bewegung dokumentieren können."

Jürgen Muhl, shz.de

"Mit der Entscheidung für Hamburg hat sich der DOSB selbst den Rücken frei gehalten. Zum einen ist dies der zu erwartende große Bürger-Zuspruch in der Hansestadt. Zum andern kommt Hamburg den Reformgedanken des Internationalen Olympischen Komitees sehr nah. Das IOC verabschiedet sich von der Gigantomanie der olympischen Vergangenheit. Vorbei ist es mit Attributen wie noch größer, noch teurer, noch luxuriöser. Stattdessen mehr Nachhaltigkeit, mehr Transparenz, weniger Kosten – was auch die Nutzung vorhandener Sportstätten einschließt."

Georg Gulde, Badische Zeitung

"In der Hansestadt identifizieren sich die Menschen laut Umfragen mehr mit dem Megaprojekt als in der Hauptstadt. Dennoch ist Hamburg die falsche Entscheidung. Der Hansestadt den Zuschlag zu geben nach missglückten Versuchen der Leichtgewichte Leipzig (Sommerspiele 2012) und München (Winterspiele 2022), ist weniger aussichtsreich als Berlin ins Rennen zu schicken. Schließlich sind die Norddeutschen bei der Ausrichtung von Sport-Großereignissen vor allem mit einem aufgefallen: mit ihrer sprichwörtlichen vornehmen Zurückhaltung."

Christoph Reinhardt, RBB Online

"Ich sage das als stolzer Berliner: Es hat bestimmt nicht am Konzept gelegen, nicht an fehlender Sportbegeisterung und sicher nicht daran, dass der Berliner Senat ein bisschen spät mit der Olympiakampagne um die Ecke kam. Berlin hat einfach andere Sorgen. Berlin ist arm und immer noch im Umbruch. Hamburg ist reich, wohlgeordnet und gediegen. Olympia ist toll für die, die eine neue Herausforderung suchen. Ein bisschen Abenteuer, Glamour, der Geruch der weiten Welt."

Andreas Lesch, weser-kurier.de

"Das Votum des DOSB-Präsidiums für die Hamburger Olympia-Bewerbung ist ein richtiges, wichtiges Signal. Nicht, weil am Ende auch die Fachverbände für Hamburg gestimmt haben. Sondern weil sich dort mehr Menschen für das sportliche Großprojekt begeistern können als in Berlin. Die Zustimmung der Menschen aber ist nicht nur entscheidend dafür, dass ein Olympia-Bewerber international eine Chance hat. Ohne sie können die Spiele gar nicht gelingen."

Tobias Schall, stuttgarter-zeitung.de

"Sicher ist: es wird immer teurer als vorher behauptet. Doch das Geld ist gut investiert – wenn es richtig gemacht wird. Zum einen darf man nicht vergessen, dass Olympia Milliarden-Einnahmen generiert, etwa über Tickets, Sponsoring, Übernachtungen et cetera. Zum anderen werden Projekte angeschoben, die über Olympia hinaus eine Stadt weiterentwickeln können. Die Spiele verursachen also nicht nur Kosten, sondern können vor allem einen Nutzen haben. Das ist die große Chance."

Stefan Nestler, Deutsche Welle

"Hamburg soll es nun also richten. Eine gewaltige Aufgabe, die ohne Frage Geld verschlingen wird. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein. Großereignisse dieser Dimension sind einfach nicht zum Nulltarif zu haben. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass Geld verschleudert wird. Das IOC hat sich unter Führung des Deutschen Thomas Bach auf die Fahnen geschrieben, dem Gigantismus einen Riegel vorzuschieben."

Ralf Birkhan, derwesten.de

"Hamburg ist dennoch zunächst nur eine Empfehlung des DOSB-Präsidiums. Sollte die entscheidende Mitgliederversammlung des DOSB am Samstag aber diese Empfehlung kippen und und sich für Berlin entscheiden, sollte die Bewerbung besser ganz in der Tonne verschwinden. Entweder ganz oder gar nicht. Und ob Hamburg dann 2014 oder 2028 tatsächlich die Spiele kriegen könnte, steht noch auf einem ganz anderen Blatt."

Oliver Fritsch, Zeit Online

"Und wenn Olympia erst mal begonnen hat, die Sportler aus Afrika, Amerika, Asien und überall durchs Ziel laufen und die Hymnen erklingen, wird Skepsis schnell in Euphorie umschlagen, auch bei den kühlen Hanseaten. Doch bis es so weit ist, täte der deutsche Sport gut daran, die vielen Missstände hinter der schönen olympischen Fassade zu erkennen und zu bekämpfen. Mit der teuren Bewerbung ist er in der Pflicht."

Jens Hungermann, Welt Online

"Hamburg statt Berlin, das ist einerseits eine nachvollziehbare Wahl. Andererseits birgt sie ein hohes Risiko. Nachvollziehbar, weil der Verve der handelnden Politiker dort spürbarer, die Zustimmung in der Hamburger Bevölkerung weit größer und mithin die Gefahr, die Kampagne im avisierten Bürgerentscheid vorzeitig zerschellen zu sehen, deutlich geringer ist. Ein Risiko ist das Votum des Deutschen Olympischen Sportbunds pro Hamburg, weil Berlin international bekannter, geschätzter, renommierter ist. Berlin hat hinlänglich bewiesen, dass es Welt- und Europameisterschaften kann. Hamburg hat kaum welche."
Hamburg ist dennoch zunächst nur Sollte die entscheidende Mitgliederversammlung des DOSB am Samstag aber diese Empfehlung kippen und sich für Berlin entscheiden, sollte die Bewerbung besser ganz in der Tonne verschwinden.

Entweder ganz oder gar nicht. Und ob Hamburg dann 2024 oder 2028 tatsächlich die Spiele kriegen könnte, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Warum Hamburg eine gute Wahl für Olympia ist - | Westfalenpost.de - Lesen Sie mehr auf:
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