Offener Brief Österreichische Fußballer greifen Boulevardpresse an

Donnerstag, 14. November 2013
Eine Fotomontage von "Österreich" mit Bayern-Spieler David Alaba (Screenshot: ÖFB.de)
Eine Fotomontage von "Österreich" mit Bayern-Spieler David Alaba (Screenshot: ÖFB.de)


Zum letzten Mal nahm die österreichische Fußballnationalmannschft 1998 in Frankreich an einer Weltmeisterschaft teil - auch die Qualifikation für das Turnier in Brasilien im kommenden Jahr hat das Team verpasst. Das Boulevardblatt "Österreich" nahm das erneute Ausscheiden zum Anlass, heftig auf Mannschaft und Trainer einzudreschen - mit erfundenen Interviews und beleidigenden Äußerungen, sagen die Spieler. In einem offenen Brief äußern sie nun scharfe Kritik an der Berichterstattung und den Recherchemethoden der gratis vertriebenen Tageszeitung.
In dem Brief, der auf der offiziellen Homepage des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) veröffentlicht wurde und an den "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner adressiert ist, erklärt die Mannschaft ihre ungewöhnliche Aktion: "Es ist uns klar, dass wir mit diesem Schreiben ein Tabu brechen - nämlich jenes, ein Medium massiv zu kritisieren. Das tut niemand unüberlegt, weil in Folge naturgemäß mit verschärft unfairer 'Berichterstattung' zu rechnen ist." Dieses Risiko nähmen die Spieler aber aus gutem Grund in Kauf.

Zielscheibe: Der Trainer Marcel Koller (Screenshot: ÖFB.de)
Zielscheibe: Der Trainer Marcel Koller (Screenshot: ÖFB.de)
"Die Fülle an schlecht bis gar nicht recherchierten Artikeln in der Tageszeitung 'Österreich', die häufig als 'Exklusiv-Interviews' bezeichneten Berichte, für die niemand von uns jemals interviewt worden ist, die reißerischen Texte, die nicht selten in Beleidigungen gipfeln, wollen wir nicht mehr unkommentiert hinnehmen", heißt es weiter. Auch verschiedene Versuche der ÖFB-Pressebetreuer, zu einer gütlichen Lösung zu finden, seien vergeblich gewesen. Vor allem der Trainer Marcel Koller, gebürtiger Schweizer, wurde immer wieder zur Zielscheibe von "Österreich" und dort unter anderem als "Verräter" bezeichnet.

Den Spielern ist klar, "dass wir damit die Blattlinie der Tageszeitung 'Österreich' nicht ändern werden. Wir hoffen aber, damit bei den Medienkonsumentinnen und -konsumenten ein kritisches Hinterfragen der Artikel in der Tageszeitung 'Österreich' anzuregen." Die Gratiszeitung hatte im ersten Halbjahr 2013 eine verbreitete Auflage von 493.249 Exemplaren. Auf ihrer Website reagierte "Österreich" bislang nicht auf die Vorwürfe. fam
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