Offener Brief WDR-Vermarkter Loeb kontert VPRT-Vorstand Schunk

Freitag, 20. Dezember 2013
Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Media Group
Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Media Group
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Michael Loeb Klaus Schunk WDR Werbezeit NDR Telemedien Brief


Nächste Runde im Streit um die Länge der Werbezeiten auf den ARD-Hörfunkwellen: Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Media Group, kritisiert in einem offenen Brief an Klaus Schunk, Rundfunkvorstand im Verband Privater Runffunk und Telemedien (VPRT), Schunks Äußerungen auf Horizont.net. Dieser hatte gefordert, die Werbung nach Vorbild des NDR auf 60 Minuten am Tag und eine Welle zu beschränken. "Wenn man das Ohr in die Mediabranche hält, dann droht der Radiogattung bei Einführung des so genannten NDR-Modells für die ARD insbesondere im intermedialen Wettbewerb ein herber Rückschlag", schreibt Loeb. Die Radiopalnung in bestimmten Zielgruppen werde erschwert und teuer für die Werbungtreibenden, "für Mittelständler unmöglich bis unbezahlbar", warnt er. Loeb fürchtet daher eine deutliche Schwächung der Gattung, sollten sich die Länder dazu durchringen, die Werbezeiten auf den Wellen zu beschränken.

Der schon seit Jahren schwelende, politische Streit zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und privaten Anbietern um eine mögliche Reduzierung der Werbemöglichkeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hatte sich neu auf Vermarkterbene entfacht an einem Interview mit Florian Ruckert, Chef des Privatradiovermarkters RMS. Darin hatte Ruckert auf Äußerungen von AS&S-Chefin Elke Schneiderbanger reagiert, die das NDR-Modell klar ablehnt, und seinerseits Beschränkungen der Werbezeit gefordert.

WDR-Media-Group-Manager Loeb hatte daraufhin angekündigt, die gemeinsamen Gattungsmarketinginitiativen auf den Prüfstand zu stellen. RMS und ARD-Vermarkter AS&S Radio, dessen größter Gesellschafter die WDR Mediagroup ist, kooperieren bei der Wirkungsforschung sowie bei der Repositionierung des Gattungsmarketingevents Radio Day. Auch über eine Zusammenarbeit bei den Kreativpreisen Ramses und Radiostars war zuletzt diskutiert worden.

Mit dem verbalen Schlagabtausch scheint nun aber erstmal eine neue Eiszeit aufzuziehen. In den jeweiligen Senderlagern ist eine hitzige Diskussion darüber entbrannt, ob sich die Vermarkter in dieser politischen Diskussion zu Wort melden dürfen oder nicht. Das Privatlager hatte appelliert, Gattungsarbeit und politische Forderungen getrennt zu behandeln.

Aus Loebs Sicht ist das kaum möglich: "Die Einführung des NDR-Modell würde innerhalb der gesamten ARD-Werbung zu Umsatzeinbußen von rund dreistelliger Millionenhöhe führen. In der Folge prüfen wir, ob und in welcher Höhe wir in Zukunft weiterhin Budgets für Gemeinschaftsprojekte freigeben können, deren Partner unserer Ansicht nach der Gattung schaden", schreibt Loeb in seinem offenen Brief. Juliane Paperlein
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