Offener Brief Frauenverbände kritisieren Medientage München

Montag, 18. August 2014
Die Macher der Medientage München müssen sich Kritik gefallen lassen
Die Macher der Medientage München müssen sich Kritik gefallen lassen


Mehrere Frauenverbände gehen hart mit den Machern der Medientage München ins Gericht. In einem Offenen Brief bemängeln der Journalistinnenbund, ProQuote, Webgrrls.de und die Fachgruppe Chancengleichheit des Bayerischen Journalistenverbands die mehrheitlich männlich dominierten Podien bei dem Branchentreffen und fordern eine paritätische Besetzung der Diskussionsrunden. "Medienberufe ziehen zu einem erheblichen Anteil Frauen an; in den journalistischen Vereinigungen sind sogar mehr als die Hälfte der Mitglieder weiblich. Auch im Medienmanagement finden sich immer mehr Frauen. Schade, dass sich diese Realität nicht in Ihrer Veranstaltung widerspiegelt", schreiben die Verbände in ihrem Offenen Brief. So würden beide Keynotes von Männern gehalten und auch wichtige Panels wie der "Fernseh-Gipfel" oder die Diskussion über den First Screen der Zukunft fast auschließlich von Männern moderiert und diskutiert.

"Die einzige Frau, die im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung auftreten wird, ist die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Die Besetzung der übrigen Gipfel und Podien lässt in Bezug auf weibliche Teilhabe nichts Besseres erwarten denn der Anteil der Podiumsteilnehmerinnen beim größten deutschen Medienkongress liegt leider seit Jahren konstant bei weit unter 20 Prozent", bemängeln die Frauenverbände. Die zahlreichen weiblichen Führungskräfte in der Medienbranche würden bei den Medientagen München kaum vorkommen.

Bereits in den vergangenen Jahren habe man die mangelnde Frauenpräsenz bei den Medientagen gegenüber den Verantwortlichen immer wieder angesprochen - "Leider ohne Erfolg." Daher habe man sich entschieden, seine Forderungen nun öffentlich zu machen. "Die Zeiten der Alibi-Frauen sind vorbei: Wir fordern eine paritätische Besetzung der Podien! Wir und die Kolleginnen, die sich in unseren Netzwerken engagieren, haben keine Lust mehr auf Männer, die glauben, die (Medien-)Welt erklären zu können."

Möglicherweise gelinge es noch, in diesem Jahr entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen: "Bei der Suche nach geeigneten Keynote-Speakerinnen und Diskutantinnen für Podien und Workshops sind wir Ihnen gerne behilflich."

Die Medientage München haben mittlerweile mit einem etwas hilflos wirkenden Statement auf den Offenen Brief von ProQuote & Co reagiert: Darin heißt es, man habe sich "jetzt und auch in der Vergangenheit sehr bemüht, Vertreterinnen der Medienbranche zu gewinnen" und verweist auf die "über 60 weiblichen Expertinnen als Referentinnen auf den Podien". Von den rund 80 Panels seien 55 "auch mit weiblichen Teilnehmern besetzt" - was über das Gesamtverhältnis von Frauen und Männern bei den Medientagen München aber natürlich wenig aussagt. Der Unmut der Frauenverbände dürfte sich so wohl kaum besänftigen lassen. dh
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