OC&C-Studie Sites klassischer Medien hinken Digital Natives bei der Nutzererfahrung hinterher

Freitag, 27. Januar 2017
Netflix gilt den Marktforschern als Vorbild
Netflix gilt den Marktforschern als Vorbild
© Foto: Netflix

Chefkoch vor klugem "FAZ"-Kopf: Die digitalen Präsenzen klassischer Medien wirken für die Nutzer meist weniger attraktiv als die Portale reiner Internetanbieter. Deshalb können sie von den „Digital Natives“ noch einiges lernen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von OC&C Strategy Consultants, die die Hamburger Unternehmensberatung bisher nur für die Handelsbranche erhoben hat – und nun zum ersten Mal auch für die Medienwirtschaft.

So kann sich bei den Content-Portalen als einziger journalistischer Medienanbieter Kicker Online in die Top 5 der am besten bewerteten Marken vorspielen. Einige Qualitätsmedien für Politik und Wirtschaft („Zeit“, „FAZ“, „SZ“, „Spiegel“) prägen das Mittelfeld, während breiter positionierte Web-Marken wie „Focus“ und „Bild“ auf den hinteren Plätzen landen. Zwar muss man beim interpretierenden Vergleich der Ergebnisse die unterschiedlichen Kategorien berücksichtigen – dennoch sind ein paar spannende Ableitungen möglich.

Den größten Einfluss auf die Gesamtbewertung haben generell die Qualität, der Umfang und die Aufbereitung des Angebots. Dass die Inhalte mitnichten allein von Journalisten stammen müssen, zeigt die Kochrezepte-Community Chefkoch.de, die von den Nutzern nicht nur wegen der erwähnten Attribute auf Platz 1 gehoben wird, sondern auch wegen der einfachen Navigation. Es folgen Netflix, „Kicker“, Spotify, Amazon Prime und Youtube.

In den Kategorien Musik (etwa Spotify), Technik (unter anderem „Computer Bild“) und Boulevard („Bild“, T-Online) ist die regelmäßige Aktualisierung der Inhalte entscheidend, bei Nachrichten (zum Beispiel Spiegel Online, N24) sowie Arztbewertungen die Zuverlässigkeit. Und in der Kategorie Freizeit/Unterhaltung („Hörzu“, Meinestadt.de) sind Surf-Erlebnis und einfache Navigation die wichtigsten Kriterien für Beliebtheit.

Und die klassischen Medien im Netz? Sie hinken hier den reinen Digitalplayern vor allem in Sachen Nutzererfahrung hinterher, etwa bei Bedienbarkeit, Navigation, der Auffindbarkeit der Inhalte und den Personalisierungsmöglichkeiten. Hier könnten sie vor allem bei Streaming-Portalen wie Netflix und bei einigen Reise-Aggregatoren wie Booking.com lernen, erklären die Berater. Allerdings stellen die Consultants auch eine „geringere Wertschätzung der Inhalte“ fest. Hier gibt es auch OC&C-Chef Andreas von Buchwaldt durchaus zu denken, dass „Musikinhalte als wertvoller empfunden werden als News“.

Mehr zu der Studie, die separat auch Aggregatoren und Handelsplattformen wie Booking.com, Airbnb und Eventim untersucht hat, lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 4/2017 vom 26. Januar 2017. rp

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