Norbert Küpper Die fünf Trends in der europäischen Zeitungsbranche

Dienstag, 05. Mai 2015
Von wegen, online interessieren nur Textschnipsel: Mit aufwendigen Reportagen wie die des „Nordbayerischen Kuriers“ zum Fall Gustl Mollath experimentieren Zeitungen mit Multimedia-Storytelling
Von wegen, online interessieren nur Textschnipsel: Mit aufwendigen Reportagen wie die des „Nordbayerischen Kuriers“ zum Fall Gustl Mollath experimentieren Zeitungen mit Multimedia-Storytelling
Foto: http://der-fall-mollath.de/
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Norbert Küpper New York Times Berliner Morgenpost


Zurück zum Wesentlichen: Für Norbert Küpper, Zeitungsdesigner und Gründer des European Newspaper Awards, sind reduzierte Gestaltungselemente und ein klares Layout im Jahr 2015 die zentralen Trends innerhalb der europäischen Zeitungsbranche. Luftiger und dem Design von Magazinen ähnlicher wird dabei nicht nur Print – auch die Online-Auftritte der Medienhäuser folgen den gedruckten Vorbildern.

Trend 1: Zeitungen reduzieren die Gestaltungselemente auf das Wesentliche

Eine „sehr große visuelle Klarheit“ prägt Küpper zufolge alle rund 100 Beispiele, anhand derer er beim Europäischen Zeitungskongress in Wien die aktuellen Entwicklungen der Branche herausarbeitete. Sie mache sich sowohl in den gedruckten als auch in den digitalen Ausgaben an deutlich reduzierten Headline-Elementen und einer aufgeräumten Seitenstruktur bemerkbar. Auch die Typografie werde zunehmend crossmedial und für alle Kanäle genutzt, „damit die Marke überall erkannt wird“.

Trend 2: Zeitungen setzen auf Cover und Coverstory, die im Innenteil weitergeführt wird

„Die Tageszeitung wird zur täglichen Wochenzeitung oder zum täglichen Magazin“, so Küpper weiter. Europaweit nähern sich die gedruckten Produkte dem Zeitungsdesigner zufolge einem Zeitschriftenlayout an, das die großen exklusiven Covergeschichten auf der Titelseite präsentiert und im Heftinneren ausführlich erzählt. Inhalte werden mit atmosphärisch dichten Fotos ergänzt, die die Texte für die Leser nicht nur optisch interessant machen sollen.

Trend 3: Zeitungen erproben Multimedia-Storytelling

Orientiert am Vorbild der „New York Times“, die bei ihrem Online-Projekt „Snow Fall“  ein breites Repertoire an visuellen, grafischen und inhaltlichen Darstellungsformen ausschöpfte, präsentieren immer mehr europäische Zeitungen lange Texte auf ihrer Website mit Filmen, animierten Grafiken und Audio-Slideshows. Ob sich die Vorgehensweise, wichtige Themen online derart zu komponieren, langfristig durchsetzen wird, müsse sich allerdings erst noch zeigen, so Küpper in Wien: „Momentan kann es sich genauso gut um einen kurzfristigen Hype handeln.“

Trend 4: Zeitungen verstärken Visual Storytelling

Die Online-Trends verändern auch das Kernprodukt, die gedruckte Zeitung. Auch dort werden Nachrichten längst nicht mehr „nur“ mit Text erzählt, sondern mit großzügigen Illustrationen, Bildern und Infografiken angereichert. „Es ist eine europaweit spürbarer Trend, leserfreundlicher zu arbeiten, indem lange Texte besser gegliedert werden.“

Trend 5: Datenjournalismus wird unverzichtbar

Infografiken spielen mittlerweile nicht mehr nur für das Layout eine zentrale Rolle, sondern immer mehr auch für die Redaktion – als Lieferant neuer Geschichten. Ein Beispiel aus Deutschland: Die „Berliner Morgenpost“ beschäftigte sich auf ihrer Website mit der aktuellen Kriminalitätsstatistik, in dem sie den Lesern die Daten ihrer jeweiligen Stadtteile in einer interaktiven Grafik zugänglich machte. kl
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