Niiu-Chef Wanja Oberhof "Leistungsschutzrecht wird noch große Wellen schlagen"

Freitag, 02. August 2013
Niiu-Chef Wanja Oberhof setzt auf die Zusammenarbeit mit Verlagen
Niiu-Chef Wanja Oberhof setzt auf die Zusammenarbeit mit Verlagen

Dass das Leistungsschutzrecht abseits von Suchmaschinengigant Google vor allem kleine Dienste treffen könnte, hatten die Kritiker des seit gestern geltenden Gesetzes immer befürchtet. Rivva etwa, Deutschlands wohl bekanntester Newsaggregator, hat seine Konsequenzen bereits gezogen. Für Wanja Oberhof, Mitgründer und Geschäftsführer Niiu Publishing, erst der Anfang. "Ich könnte mir vorstellen, dass das noch größere Wellen schlagen wird", sagt der 27-Jährige im Interview mit HORIZONT.NET. Niiu ist eine News-App, mit der sich Leser Nachrichten passgenau und nach ihren individuellen Bedürfnissen selbst zusammenstellen können. Erfahrungen in der Branche sammelt Oberhof schon seit 2007, zwei Jahre später brachte er die erste individualisierte Zeitung auf den deutschen Markt. Das Printprodukt scheiterte 2011, seit rund drei Monaten ist Niiu als App zurück - mit lizenzierten Inhalten von über 20 Tageszeitungen.

Seit gestern, 1. August, gilt das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Demnach können Zeitungshäuser unter anderem von Newsaggregatoren Lizenzgebühren für die Verwendung ihrer Artikel im Internet verlangen. Was halten Sie grundsätzlich von dem Gesetz?
Ich denke schon, dass es eine Regelung dazu geben muss, was erlaubt ist und was nicht. Dass Dienste wie Rivva jetzt betroffen sind, war sicherlich ursprünglich nicht beabsichtigt. Das Leistungsschutzrecht ist in der Umsetzung zu schwammig und nicht richtig durchdacht. Handlungsunsicherheit ist das Schlimmste, das es gibt.

Wie groß schätzen Sie die konkrete Gefahr für Newsaggregatoren ein?
Ich könnte mir vorstellen, dass das noch größere Wellen schlagen wird. Dabei gerät die eigentliche und wichtige Unterscheidung völlig in den Hintergrund: Nutzt jemand fremden Content und setzt sein Geschäftsmodell darauf auf? Oder stellt jemand ein Tool zur Verfügung, das lediglich einen Weg durch das Dickicht des Internets aufzeigt?

Hier kommt dann wohl Niiu ins Spiel. Was machen Sie anders?
Auch wir nutzen Inhalte von Verlagen, arbeiten aber von vorneherein mit ihnen zusammen. Das heißt, die 24 Verlage, die uns Nachrichten zur Verfügung stellen, sind prozentual sowohl an unseren Werbe- als auch an unseren Vertriebserlösen beteiligt. Der Leser kann sich Nachrichten passgenau nach Ressort und Medium zusammenstellen: den Wirtschaftsteil etwa aus dem "Manager Magazin", den Sportteil aus der "Bild", internationale News aus der "NZZ". Ein ähnliches Modell wie bei Spotify. kl
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