"New York Times"-Marketingchefin Namini "In digitale Angebote und in Content investieren"

Dienstag, 17. September 2013
Yasmin Namini erläuterte das Modell der "New York Times" (Bild: BDZV/David Ausserhofer)
Yasmin Namini erläuterte das Modell der "New York Times" (Bild: BDZV/David Ausserhofer)

Wenn deutsche Verlage nach Amerika blicken, dann schauen sie meist auf die "New York Times". Das Paid-Content-Modell der renommierten US-Zeitung gilt als beispielhaft, im Jahr 2012 haben erstmals allein die Leser für mehr Erlöse gesorgt als Werbekunden. In einem Pressegespräch am Rande des BDZV-Zeitungskongresses gab Yasmin Namini, Senior Vice President und Chief Consumer Officer der New York Times, einen Einblick in die Erfolgsgeschichte des Blattes. Die sogenannte Bezahlschranke fiel bei der "New York Times" im März 2011. Im Rahmen eines Metered Modells, das hierzulande vor gut einem halben Jahr auch Axel Springers Welt" implementiert hat, wurden Leser zunächst nach 20 Online-Artikeln aufgefordert, ein Digitalabo abzuschließen, inzwischen sind nur noch 10 Texte frei. Ob der Nutzer vielleicht bald schon nach dem fünften angeklickten Beitrag zur Kasse gebeten werden soll, will Namini nicht ausschließen, doch derzeit gelte nach wie vor: "Das Wichtigste war es, überhaupt ein derart flexibles Bezahlsystem einzuführen."

Auch die Tatsache, dass Leser, die zufällig über Google oder Facebook auf die Website der New York Times" gelangen, die Paywall wie selbstverständlich umgehen können, berührt die Marketingchefin, die zudem der International News Media Association (INMA) vorsteht, kaum. Im Fokus stünden die loyalen Stammleser, und alle anderen sollten die Möglichkeit bekommen, die Inhalte kennenzulernen. Eine Mehrheit, die diesen Weg missbrauche, gebe es nicht. Vielmehr sei so Werbung für das Bezahlangebot möglich - und zusätzlicher Traffic.

Mit der Bezahlpflicht steigen laut Namini jedoch auch die Ansprüche, sowohl auf Seiten der Nutzer als auch der Anzeigenkunden: "Man muss sowohl in digitale Angebote als auch in Content investieren." Dies müsse man vor allem beim Trend zu Bewegtbild im Hinterkopf behalten. Dennoch soll der Zugang zu Videos auf der Website kostenfrei bleiben, was wiederum auch Werbungtreibenden ausreichend Traffic gewährleistet. Aktuell verzeichnet die New York Times" durchschnittlich zwischen 25 und 45 Millionen Unique User monatlich.

Eine klare Absage dagegen erteilt Namini dem von Springer-Vermarktungschef Peter Würtenberger nach seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley proklamierten Trend des Native Advertising. "Wir setzen auf völlige Transparenz und trennen Redaktion und Anzeige sehr sehr strikt", betonte Namini. Sollte die Werbeform, bei der Werbung und Inhalt ähnlich eines Advertorials ineinander übergehen, ein Trend sein, dann gelte er nicht für die "New York Times".

Yasmin Namini hält am heutigen Dienstag, den zweiten Tag des BDZV-Zeitungskongresses in Dresden, eine Keynote zum Thema Leading the Transformation from Print to Multi-Media". kl
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