NYT-Herausgeber Arthur O. Sulzberger Jr. "Die Menschen sind bereit, für Qualität zu zahlen"

Freitag, 08. Dezember 2017
Arthur O. Sulzberger ist Herausgeber der New York Times
Arthur O. Sulzberger ist Herausgeber der New York Times
© Fred Conrad

Big Pay-Business in Big Apple: Der Herausgeber der New York Times (NYT) ermuntert die Nachrichtenpresse zu investigativer, tiefschürfender und thematisch breiter Berichterstattung – und zu digitalem Paid Content. "Die Menschen sind bereit, für Qualität zu zahlen", sagt Arthur O. Sulzberger Jr. im HORIZONT-Interview. Und freut sich auch noch über Profite aus Print.

Nach vielen Krisen, Spar- und Kapitalsammelrunden scheint die Wende geschafft: Seit 2012 schreibt die New York Times (NYT) wieder Gewinne; in diesem Jahr stieg der Umsatz bisher um fast 7 Prozent. Zwei Drittel davon kommen mittlerweile aus dem Vertrieb. Insgesamt zählt der Titel nun 3,5 Millionen bezahlte Abos, davon 2,5 Millionen rein digital (und davon wiederum 14 Prozent von außerhalb der USA). Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sind 600.000 Digitalabos hinzugekommen. Die Zahl der Redaktionsstellen hat die NYT zuletzt wieder erhöht. "Ich glaube, dieses Prinzip ist anwendbar auch für andere Verlage, wo auch immer – solange sie bereit sind, in Journalismus zu investieren", meint Sulzberger. Zur Verleihung des Marion Dönhoff Preises an seine Zeitung war er nach Hamburg gekommen und nahm sich nebenbei die Zeit für ein paar HORIZONT-Fragen.

Mr. Sulzberger, die New York Times gilt weltweit Zeitungen als Vorbild, auch wegen ihres steigenden Anteils der Abo-Erlöse, die nun zwei Drittel Ihrer wachsenden Umsätze ausmachen. Woran liegt das? An der ehrwürdigen Marke NYT? An der schieren Menge oder Qualität unterschiedlicher Inhalte? Oder daran, dass die englische Sprache weltweit verstanden wird? Die New York Times bietet eine umfassende und Agenda-setzende Berichterstattung über die Politik in den USA. Zugleich verwendet sie immense Ressourcen für investigativen Journalismus, ebenso für Reportagen und für Internationales. Einer der Hauptgründe dafür, dass die Menschen bereit sind zu zahlen, ist die Breite unserer Berichterstattung. Im jüngsten Analystengespräch hat unser CEO Mark Thompson die NYT mit einer "Multi-Ocean Navy" verglichen.

Bitte was? Damit hat er gemeint, dass wir eines der wenigen Unternehmen sind, die ein solches Aufgebot an hervorragenden Journalisten – rund 1450 Frauen und Männer – bereithalten, über den gesamten Globus. Unser Verlag stellt ihnen alle Mittel zur Verfügung, die sie brauchen, um entscheidende politische Geschichten exklusiv zu verbreiten oder sich in investigative Recherchen zu vertiefen, zuletzt etwa zum Thema sexuelle Belästigung. Und das alles, ohne die Schlagzahl bei internationalen News, Wirtschaft und Kultur zu verringern.

Das klingt alles so selbstverständlich. Können sich auch deutsche Verlage daran ein Beispiel nehmen und einige der Rezepte übernehmen? Oder ist die NYT ein einzigartiger Sonderfall? Ich denke, die NYT weist damit einen Weg für Anbieter von Qualitätsjournalismus. Die Menschen sind bereit, für Qualität zu zahlen. Und wir sind nicht nur erfolgreich, weil wir großartige Journalisten einstellen, sondern auch, weil wir ihnen zur Unterstützung die Zeit und die Mittel geben, die sie benötigen, um gehaltvollen und tiefschürfenden Journalismus zu betreiben. Ich glaube, dieses Prinzip ist anwendbar auch für andere Verlage, wo auch immer – solange sie bereit und gewillt sind, in Journalismus zu investieren.

Ihre Digitalerlöse wachsen in Vertrieb und Vermarktung. Bei Print sinken die Umsätze mit Werbung, im Vertrieb bleiben sie allein durch Preiserhöhungen bestenfalls stabil. Wann stellt die NYT werktäglich auf rein digital um, mit einer Papierausgabe am Wochenende? Die Printausgabe ist nach wie vor profitabel. Und tatsächlich wäre sie das sogar allein durch ihre Abo-Erlöse – schließlich haben wir eine Million treuer Print-Abonnenten. Ein engagiertes Team entwickelt für sie Print-exklusive Zusatzprodukte, etwa die neue monatliche Beilage für Kinder, einmalige Sammeldrucke beliebter Kolumnen sowie regelmäßige Rätselhefte. In der absehbaren Zukunft wird die NYT weiter eine Printausgabe haben.

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