Neupositionierung Bauer schickt "Bravo" in den Beauty Palace

Mittwoch, 03. September 2014
Ein erster Blick auf die neue "Bravo"-Website
Ein erster Blick auf die neue "Bravo"-Website
Foto: Bauer

"Bibis Beauty Palace" und gesellschaftliche Trends: Für Marc de Laporte, als Verlagsgeschäftsführer der Bauer München Redaktions KG unter anderem für die Jugendzeitschrift "Bravo" verantwortlich, gehört beides zusammen. Stars wie Bibi hätten mittlerweile Megastar-Charakter, weil Nähe, Unmittelbarkeit und Authentizität gut ankommen. Und weil "Bravo" das auch will, gut ankommen, geht die Jugendmarke spätestens zur Dmexco mit einem grundlegend neuen Markenauftritt online, der sich rund zwei Wochen später auch im gedruckten Heft widerspiegeln wird. Farbton: Social.

Der große Aufschlag auf allen Plattformen, an dem Bauers Digitalteam seit Ende vergangenen Jahres gearbeitet hat, positioniert den Jugendtitel fortan als "Social Magazine", was so viel heißt wie: Ein "Bravo"-Leser soll nie den Eindruck haben, er liest einen Beitrag alleine oder gar einen Text zu einem Thema, das längst mega-out ist. Dass das im Netz mit seinen vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten gut funktioniert, will sich die Marke jetzt stärker als bisher zunutze machen.

An nahezu jeder Stelle der Website kann der User künftig seine Meinung äußern. Am einfachsten geht das mit vorgegebenen Smileys und Emoticons wie "lol" oder "yolo", aber auch ganz herkömmlich mit Kommentaren, die in frei wählbare Hintergrundfarben getaucht werden können. Stimmungsmache mit Mehrwert, fließen doch alle Bewertungen wiederum auf Übersichtsseiten zusammen, die die beliebtesten Texte, Themen und Tabus bündeln.

„Bravo.de kombiniert künftig die klassischen Inhalte eines Online-Magazins mit dem Spaß und der Dynamik eines sozialen Netzwerks.“
Steffen Schmid
Ein eigener "Bravo"-Messenger, ein Chat sowie diverse Mitmach-, Teil- und Beteiligungsmöglichkeiten – sowohl für Leser als auch die Redaktion – kommen hinzu, eingebettet in ein übersichtliches Layout mit großen Bildern und klarer Struktur. Ein komplett neues technologisches Konzept, das die Inhalte in Responsive Design auf allen Geräten passend darstellt, macht die mittlerweile 58 Jahre alte Marke online zum State of the Art, sagt Christian Fricke, Geschäftsleiter Bauer Digital. Die Kosten für den Relaunch, der komplett inhouse umgesetzt wurde, liegen im hohen sechsstelligen Bereich.

"Bravo.de kombiniert künftig die klassischen Inhalte eines Online-Magazins mit dem Spaß und der Dynamik eines sozialen Netzwerks", ergänzt Steffen Schmid, Director Digital Jugend & Frauen. Zu einem kleinen Facebook wolle "Bravo" dadurch nicht werden, aber neben der persönlichen Kommunikation im Freundeskreis gebe es dennoch ein großes Bedürfnis, sich über Themen auszutauschen, registriert Schmid. Und vor allem, wenn es um Liebe und Sex geht, werden die wenigsten der drängenden Fragen auf der Facebook-Timeline gestellt, wenn sich der Schwarm nach der gemeinsamen Nacht nicht mehr meldet. Dann ist vielmehr Zeit für Dr. Sommer, der auf der neuen Website seine eigene Praxis beziehungsweise seinen eigenen Channel bekommen wird, genau wie auch "Bravo Girl" und "Bravo Sport".

Ambitioniert: Marc de Laporte will auch die gedruckte "Bravo" social machen
Ambitioniert: Marc de Laporte will auch die gedruckte "Bravo" social machen (Bild: Bauer)
Weil das Beratungsformat nach wie vor gut funktioniert, will "Bravo"-Geschäftsführer de Laporte die Rubrik im Heft demnächst deutlich erweitern. Dort sitzt ihm allerdings der wirtschaftliche Druck im Rücken. Im 2. Quartal 2014 hat Bauer durchschnittlich nur noch 144.695 Exemplare in der Woche verkauft, das sind knapp 36 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und 70 Prozent weniger als noch vor fünf Jahren (IVW II/2009: 493.132). Wie kaum ein anderer Titel leidet das Jugend-Traditionsblatt unter der Digitalisierung und dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Zielgruppe, ein korrigierendes Make-up ist also dringend notwendig. kl

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