Neues Werbeformat FAZ lässt Anzeigen auf Seite 1 zu / Kampagne für Vitra

Donnerstag, 12. Juni 2014
Die Kampagnenidee stammt von Martin Pross (Foto: Marion Schönenberger)
Die Kampagnenidee stammt von Martin Pross (Foto: Marion Schönenberger)

Es ist eine Premiere der besonderen Art: Ab Montag kommender Woche gibt es bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Werbung auf der Seite 1. Und das nicht irgendwo, sondern an besonders hervorgehobener Stelle, nämlich links und rechts neben dem Titelkopf. Die prominente Platzierung hat sich der Möbelhersteller Vitra gesichert. Bis Ende Dezember wird das Unternehmen dort ins insgesamt 167 Kurzgeschichten für sich und seine Produkte werben. Die kreative Idee stammt von Martin Pross. Der bisherige Vorstand von Scholz & Friends arbeitet in Zukunft selbstständig - mit Vitra als Startkunde. Dass die "FAZ" Anzeigen an dieser Stelle zulässt, zeigt, wie sehr das Traditionsblatt bemüht ist, sich in der Vermarktung neue Einnahmequellen zu erschließen. Geschäftsführer Thomas Lindner hatte vor kurzem in einem Interview mit HORIZONT einen Verlust von mehr als 5 Millionen Euro bestätigt und erklärt, man wolle künftig die Stärke, "die wahrscheinlich elitärste und wertvollste Zielgruppe in Deutschland zu haben, noch besser ausspielen. Mit Vitra hat man einen Kunden gefunden, der tatsächlich gut zur Zielgruppe passen dürfte.

Von größeren Vorbehalten im eigenen Haus gegen das neue Anzeigenformat wollen die Verantwortlichen nichts wissen. "Die FAZ mag als konservativ gelten, das heißt aber nicht, dass die sich gegen neue Entwicklungen sperrt", sagt Ingo Müller, seit kurzem Gesamtleiter Werbemärkte und Media Solutions bei der renommierten Tageszeitung. Man achte genau darauf, dass Platzierung, Kampagne und Kunde gut zur eigenen Medienmarke passen, und so hätten auch die Herausgeber dem neuen Format zugestimmt. Die neuen Anzeigenflächen "tragen dazu bei, die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu gewährleisten, die wir für die journalistische Unabhängigkeit der FAZ benötigen", ergänzt Müller. Angaben zu den finanziellen Eckdaten macht er nicht.

Das Unternehmen Vitra will mit dem Auftritt seine Markenbekanntheit erhöhen und darauf hinweisen, dass viele Möbel-Klassiker aus seinem Haus stammen. Die Anzeigen bestehen aus einem kurzen Text und einem ergänzenden Motiv, die Geschichten über Menschen und Design von Vitra erzählen sollen. Der Kreative Pross sieht in dem Projekt ein Musterbeispiel dafür, wie er künftig als Freiberufler arbeiten will. "Immer mehr Kunden haben abgegrenzte Projekte. Diese mit den bestmöglichen Köpfen zu beackern, ist mein Angebot - egal ob es sich um eine Kampagne, einen Claim oder einen Film handelt", sagt Pross. mam

Mehr zum Thema lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 24/2014 vom 12. Juni
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