Neuer Zeuge WAZ erwog Teilübernahme der Kirch-Gruppe

Freitag, 03. Januar 2014
Der Kirch-Prozess verfolgt die Deutsche Bank noch immer
Der Kirch-Prozess verfolgt die Deutsche Bank noch immer


Der Schadensersatzprozess der Kirch-Erben lässt die Deutsche Bank nicht los. Nach den jüngsten Enthüllungen der "Süddeutschen Zeitung", wonach das Frankfurter Geldhaus offenbar eine Aufspaltung des angeschlagenen Medienkonzerns plante, hat sich nun ein neuer Zeuge zu Wort gemeldet. Laut dem ehemaligen WAZ-Manager Christoph Rohner wurde bei einem informellen Treffen 2002 über eine mögliche Zerschlagung der Kirch-Gruppe gesprochen. Bei der WAZ wurde daraufhin offenbar eine Übernahme von Teilen des Konzerns durchgerechnet.
An dem Treffen in einem Restaurant in Hannover vor zwölf Jahren hatten der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff und der damalige WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann teilgenommen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Im Schadensersatzprozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank hatte Breuer ausgesagt, bei dem Treffen sei es lediglich "allgemein" um die wirtschaftliche Situation der Kirch-Gruppe gegangen.

Womöglich wurde die Zukunft von Kirch bei dem Gespräch aber konkreter erörtert als bislang bekannt. Das sagte zumindest der ehemalige WAZ-Manager Christoph Rohner, der damals die Beteiligungen des Essener Verlags auf dem Balkan verantwortete, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Der mittlerweile verstorbene WAZ-Chef Erich Schumann habe ihm einige Tage später von dem Treffen mit Schröder, Breuer und Middelhoff berichtet. Dabei sei eine mögliche Aufspaltung der Kirch-Gruppe konkret erörtert worden: "Breuer will den Kirch abschaffen, der Kirch soll weg", habe Schumann ihm erzählt. Die anwesenden Medienmanager seien quasi aufgefordert worden, "sich für Teile der Kirch-Gruppe zu bewerben", so Rohner. Schumann sei sogar noch deutlicher geworden: "Den Kirch wird's demnächst nicht mehr geben. Die haben den Kirch zum Abschuss freigegeben."

Bei der WAZ sei damals eine teilweise Übernahme der Mediengruppe von Kirch durchgerechnet worden. "Die haben hin- und hergerechnet." Rohner selbst sagte der SZ, er sei über das Treffen "fassungslos" gewesen: "Dass eine Bank gemeinsam mit dem Kanzler Leute einlädt, die das Vermögen eines anderen aufteilen, war für mich unfassbar."

Was die Aussage des ehemaligen WAZ-Managers, der heute als Berater in Hamburg lebt, für den Schadensersatzprozess gegen die Deutsche Bank bedeutet, ist noch unklar. Die jüngsten Enthüllungen scheinen den ehemaligen Bank-Boss Rolf Breuer allerdings zu belasten: Im Dezember war eine E-Mail aufgetaucht, die belegt, dass Mitarbeiter der Deutschen Bank unter dem Codenamen "Barolo" Pläne für eine Aufspaltung der Kirch-Gruppe durchspielten. Die Mail war auch an Breuer gegangen. Nach Einschätzung eines Prozessbeteiligten ist die Mail ein "rauchender Colt".

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt derzeit wegen versuchten Prozessbetrugs gegen fünf hochrangige Manager der Deutschen Bank, darunter die Ex-Chefs Breuer und Josef Ackermann sowie den amtierenden Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen. dh
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