Neuer VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner "Ich sehe mich als Moderator, nicht als Vorturner"

Montag, 07. November 2016
Stephan Holthoff-Pförtner beim Publisher´s Summit
Stephan Holthoff-Pförtner beim Publisher´s Summit
Foto: VDZ

Da steht er nun: Stephan Holthoff-Pförtner, Anwalt, 16,7-Prozent-Gesellschafter der Funke-Gruppe, CDU-Regionalpolitiker – und seit Sonntag einstimmig gewählter Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Am Montag zeigte er sich in Berlin der Presse. Seine kurze Vorstellungsrede, seine Antworten auf die Journalistenfragen: eher allgemein-launig als konkret-programmatisch. Doch schon jetzt ließ der 68-Jährige durchblicken, dass er nach 18 Monaten – der Restlaufzeit der Präsidentschaft von Hubert Burda, der sein Amt niedergelegt hat – möglicherweise erneut zur Wahl antreten wolle, dann für eine volle Amtsperiode.

"Ich kann in den kommenden anderthalb Jahren dafür werben, mich wiederzuwählen, indem ich richtig zuhöre, Diskussionen gestalte und Kompromisse hinkriege", sagt der neue VDZ-Präsident. Und möglichen Kritikern seiner Wahl – jenen, die lieber einen aktiven Vollzeit-Mehrheitsverleger an der Verbandsspitze sähen, der gleichzeitig langjährig praxiserfahren, modern und kreativ ist, der den digitalen Wandel managt, sich aber auch im Postzeitungsvertrieb, mit Mediaagenturen und dem politischen Geschäft auskennt (wen gäbe es denn da in Deutschland, der all dies vereint?) – hält er entgegen: "Ich sehe mich als Anreger und Moderator von Diskussionen, nicht als Vorturner."

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Wenig später eröffnete VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer offiziell den Publishers‘ Summit. Bevor sich Hubert Burda, nun Ehrenpräsident des Verbands, mit Standing Ovations aus seinem Amt verabschiedete, blickte er zunächst auf 20 Jahre zurück, in der der VDZ viel geleistet habe. Schließlich nutzte er die Gelegenheit doch für ein paar Worte zu seiner Nachfolge. Er begründete, weshalb Stephan Holthoff-Pförtner der richtige Mann an der Spitze des Verbands sei. Die Funke Mediengruppe sei nunmehr der stärkste Verlag, sagte Burda. Das spiele bei der Wahl des Präsidenten natürlich eine Rolle. Und ein weiterer Punkt sei wichtig: „Ein Teilhaber muss er sein, persönlich engagiert muss er sein. Was bringt uns ein Präsident, der plötzlich die Fronten wechselt?“ Wer mag, kann dies als Absage an eine mögliche VDZ-Präsidentin Julia Jäkel sehen. Die angestellte G+J-Geschäftsführerin war im Vorfeld für diesen Posten ins Spiel gebracht worden.

Was wird Holthoff-Pförtner aber tun, um die Hamburger Rebellenverlage zurück ins Boot zu holen und die Wogen zu glätten? Die Chefs von Gruner + Jahr, Spiegel-, Zeit- und Medweth-Verlag hatten sich über das Prozedere beschwert und wollen dem großen Jahreskongress an diesem Montag und Dienstag trotzig fernbleiben. Der "Zeit"-Verlag allerdings legt Wert auf die Feststellung, dass - anders als bei G+J - sehr wohl Verlagsmitarbeiter nach Berlin reisen. Holthoff-Pförtner jedenfalls gibt sich gelassen. Er freue sich, dass seine Wahl am Sonntagnachmittag "wider Erwarten einstimmig" erfolgt sei. Es sei ja nur um Spielregeln gegangen. "Wenn wir wieder über Inhalte reden, werden wir auch wieder zusammenfinden". Vorerst gelte: "Ich rufe Julia Jäkel und Rainer Esser an – und wenn ich einen Termin erhalte, komme ich jederzeit überall hin."

Eine Fusion mit dem Zeitungsverlegerverband BDZV, wie sie die vier Protesthäuser und wohl auch noch andere VDZ-Mitglieder befürchten, habe "wenig Charme", so Holthoff-Pförtner: "Das steht nicht auf der Agenda." Hier schaltet sich VDZ-Geschäftsführer Scherzer ein. "In der Medienpolitik arbeiten beide Verbände seit langem eng zusammen. Eine Fusion ist kein Thema für uns." Wohl auf Erwartungen der Hamburger Kritiker, der neue VDZ-Präsident möge "das Bild einer Branche zeichnen, die noch lange nicht fertig ist", entgegnet Holthoff-Pförtner mit einem kurzen Rückblick auf den Funke-Kauf zahlreicher Zeitschriften von Axel Springer, für den man damals belächelt worden sei. Jetzt, mit Blick auf offenbar gute Umsätze und Renditen, wisse man: "Wenn das eine ,dead industry‘ sein soll, dann wäre das aber ein sehr schöner Tod." Will sagen: Print lebt, auch und gerade Zeitschriften.

Und sonst? Der neue VDZ-Präsident hält ein nicht pathetisches, aber doch nachdrückliches und glaubwürdiges Plädoyer für die freie unternehmerische Presse als vierte Gewalt. Ihm, der sich zeitlebens auf unterschiedliche Weise "für die Zivilgesellschaft engagiert" habe, sei es eine Ehre, sich für den VDZ und seine Ziele einzusetzen und ihr Botschafter zu sein. "Freie Presse" – damit meint Holthoff-Pförtner nicht nur die Freiheit der Gesellschaft, sondern auch die Pressefreiheit nach innen, die Meinungsvielfalt in den Redaktionen. Er, der CDU-Mann, habe im SPD-nahen Funke-Konzern („WAZ“) jedenfalls nie Probleme gehabt.

Was an dieser Stelle auffällt: In ihren Sonntags- und Verbandsreden berufen sich die VDZ-Köpfe oft und gerne auf die gesellschaftliche Relevanz der Presse, auf ihre Unverzichtbarkeit für die Demokratie, und sie sonnen sich auch gerne im Glanz von Titeln wie „Spiegel“, „Stern“ und „Zeit“. Bei seiner Außendarstellung und gerne auch im Selbstverständnis profitiert der VDZ also vor allem von den Titeln der Hamburger Rebellenverlage. Und weniger von People- und Programmheften oder gar von der Fach- und konfessionellen Presse, die die Publikumsmagazine auf Delegiertenversammlngen überstimmen können. Für seine innere Stabilität und äußere Strahlkraft müssen der VDZ und sein neuer Präsident diese Häuser schnell wieder mit ins Boot holen, atmosphärisch, diplomatisch – und vielleicht auch durch eine stärkere institutionelle Berücksichtigung der großen journalistischen Publikumsverlage und großen Beitragszahler. rp/usi

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