Neuer "Focus"-Chefredakteur Das Comeback des Ulrich Reitz

Dienstag, 26. August 2014
Ulrich Reitz ist beim "Focus" alles andere als ein Unbekannter (Foto: WAZ)
Ulrich Reitz ist beim "Focus" alles andere als ein Unbekannter (Foto: WAZ)


Der neue beim "Focus" ist ein alter Bekannter, denn für Ulrich Reitz ist die Berufung an die Spitze des Nachrichtenmagazins so etwas wie eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit. 1993 gehörte der heute 53-Jährige zur Gründungsmannschaft des "Focus", war unter Helmut Markwort erster Leiter des Bonner Redaktionsbüros. Nun kehrt Reitz nach 17 Jahren zurück zum angeschlagenen Nachrichten-Flaggschiff des Burda-Verlags - und zwar als Chefredakteur. Reitz stammt vom Niederrhein, wurde 1960 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Studium der Politischen Wissenschaften und der Germanistik in Bonn volontierte er bei der "Welt", wo er zunächst Nachrichtenredakteur, dann Korrespondent in Bonn und schließlich Ressortleiter Innenpolitik des Springer-Titels war. Im Sommer 1992 folgte dann der Wechsel zu Burda, wo Markwort sein ehrgeiziges Magazin-Projekt, den "Focus", in die Tat umsetzte.

Bis 1997 leitete Reitz die Parlamentsredaktion in Bonn, ehe er die Chefredaktion der "Rheinischen Post" in Düsseldorf übernahm. Dort setzte er einige Reformen um und gewann mitten in der Zeitungskrise Anfang der 2000er Jahre sogar noch Leser hinzu. Unter anderem kündigte er den Ticker der Deutschen Presseagentur dpa, stellte stattdessen zusätzliche Berlin-Korrespondenten ein und organisierte die Arbeit in der Düsseldorfer Zentrale um.

2005 wurde Reitz Chefredakteur der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). Sein Wechsel nach Essen wurde skeptisch beäugt, weil er als vermeintlich Konservativer an die Spitze des traditionell sozialdemokratisch ausgerichteten Blattes rückte. Tatsächlich erwies sich Reitz jedoch auch dort als Reformer, entwickelte den inhaltlich verstaubten Titel zu einer modernen Regionalzeitung und führte zugleich die Titel der WAZ-Gruppe enger zusammen. 2009 übernahm Reitz nach dem Wechsel von Katharina Borchert zu Spiegel Online zusätzlich auch die redaktionelle Verantwortung über das Nachrichten-Portal DerWesten.de. Bei der "WAZ" führte Reitz zudem den Content Desk ein, eine zentrale Mantelredaktion, die die vier Titel "WAZ", "WR", "Westfalen-Post" und "Neue Ruhr-Zeitung" belieferte.

Im Mai 2014 wurde bekannt, dass Reitz die WAZ-Gruppe Ende Juni verlassen wird. Seine Rückkehr zum "Focus" ist nun so etwas wie eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Allerdings wird er sich an eine neue Umgebung gewöhnen müssen: Die Redaktionsstandorte des Nachrichtenmagazins sind heute München und Berlin. fam
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