"Neue Köpfe und frische Ideen" Johannes Kors über die Medientage München 2013

Freitag, 11. Oktober 2013
Johannes Kors ist Geschäftsführer der Medientage München
Johannes Kors ist Geschäftsführer der Medientage München

Vom 16. bis 18. Oktober gibt sich bei den Medientagen München die Branche ein Stelldichein. Das Motto lautet in diesem Jahr "Mobile Life: Herausforderung für Medien, Werbung und Gesellschaft". Im Interview mit HORIZONT.NET spricht Geshäftsführer Johannes Kors über das Programm, die Elefantenrunde und seine persönlichen Erwartungen an das wichtigste Branchentreffen des Jahres.
Herr Kors, die Medientage München 2014 stehen unter dem Motto "Mobile Life". Wie viele mobile Endgeräte nutzen Sie persönlich?
Ich nutze drei mobile Endgeräte: Smartphone, Tablet und Laptop. Wir erleben in diesem Bereich eine rasante Veränderung: Im vergangenen Jahr sind erst zehn Prozent der Seitenabrufe mobil erfolgt, in diesem Jahr sind es Schätzungen zufolge bereits etwa ein Viertel. Die Allgegenwärtigkeit des mobilen Internets ist mittlerweile eine Tatsache und damit auch die Frage, welche Auswirkungen auf Medien, Werbung und Gesellschaft damit verbunden sind. Das betrifft insbesondere die Medienangebote, Produkte, den Medienmix der Werbungtreibenden und damit auch auf die Geschäftsmodelle. In Deutschland ist Mobile noch eine relativ zarte Pflanze mit Werbeumsätzen von rund 100 Millionen Euro, in den USA ist das bereits ein Markt mit einem Umsatz von 12 Milliarden US-Dollar. Daran sieht man, wie wichtig das Thema für die gesamte Branche ist.

Der Mediengipfel wird in diesem Jahr von taz-Chefredakteurin Ines Pohl moderiert. Das ist dann die vierte Moderatorin in vier Jahren. Werden wir jetzt jedes Jahr einen anderen Moderator sehen?
Da will ich jetzt keine Prognose für die Zukunft abgeben. Nachdem Herr Markwort das lange Jahre sehr souverän gemacht hat, wollten wir die Moderatoren etwas häufiger wechseln. Der Mediengipfel war früher ein wenig starrer, auch was die Besetzung angeht. Hier wollten wir noch mehr Dynamik hineinbringen.

Auch die Besetzung der Elefantenrunde unterscheidet sich jetzt von Jahr zu Jahr. Ist das so gewollt?
Ja. Wir wollen beim Mediengipfel je nach Thema jedes Jahr neue Köpfe und frische Ideen mit dabeihaben.

Im vergangenen Jahr kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer einen Runden Tisch zur Medienregulierung an, in diesem Jahr werden die ersten Ergebnisse präsentiert. Wird das zu einer festen Institution bei den Medientagen?
Das kommt darauf an, ob der Runde Tisch zur Medienpolitik institutionalisiert wird. Diese Entscheidung liegt bei Ministerpräsident Seehofer. Das wird sich vielleicht schon während der Medientage zeigen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieser Runde Tisch stattgefunden hat, auch unter Beteiligung von Vertretern des Bundes und der Medienindustrie. Es gab vier Arbeitsgruppen zu den Themen Deregulierung, Rahmenbedingungen, Infrastruktur und Aufsicht. Alle Arbeitsgruppen haben Ergebnisse und Empfehlungen erarbeitet, die bei den Medientagen vorgestellt werden. Vor diesem Hintergrund wäre es natürlich schön, wenn man hier jedes Jahr auch konkrete Ergebnisse präsentieren könnte.

Derzeit laufen in Berlin die Sondierungsgespräche der möglichen Koalitionspartner der neuen Bundesregierung. Erwarten sie hier auch Signale an die Medienpolitik?
Wenn man sich die Besetzung der Panels zum Thema Medienpolitik anschaut, kann man sicherlich davon ausgehen, dass hier Forderungen oder Empfehlungen an die künftige Bundesregierung ausgesprochen werden. Das wurde auch bereits im Vorfeld der Medientage deutlich. Hier kann man sicher das eine oder andere Signal an den Bund erwarten.

Beim Blick auf die Podiumsdiskussionen fällt auf, dass es nur fünf Publishing-Panels gibt. Verliert Print auch bei den Medientagen an Bedeutung?
Nein. Wir kooperieren traditionell sehr gut mit den Zeitungsverlegern, woraus auch der Publishing-Gipfel entstanden ist. Oder denken Sie etwa an den Content-Gipfel, bei dem es um die Unabhängigkeit des Journalismus geht auch das ist ein Kernthema für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Fakt ist: Die Digitalisierung verändert die Medienwirtschaft und damit auch die Geschäftsmodelle der Verlage. Dies spiegelt sich in unserem Programm entsprechend wider.

Die Medientage München hatten im vergangenen Jahr 6000 Teilnehmer. Die Dmexco in Köln verzeichnete vor wenigen Wochen über 26.000 Besucher. Laufen die Medientage Gefahr als Leitevent der Medienbranche abgelöst zu werden?
Das glaube ich nicht. Die Dmexco ist kein Kongress, sondern eine internationale Digital-Messe mit angegliedertem Kongressprogramm. Bei den Medientagen stehen die Inhalte und Diskussionen im Vordergrund. Das ist ein ganz anderes Konzept. Nachdem sich das Medienforum NRW neu strukturiert hat, sind die Medientage der einzige übergreifende Medienkongress in Deutschland. Mit der Gamify-Konferenz haben wir außerdem eine neue Veranstaltung ins Programm aufgenommen. Das zeigt den breiten Ansatz der Medientage München.

Was sind ihre ganz persönlichen Erwartungen für die Medientage München 2013?
Ich gehe davon aus, dass bei den Gipfelveranstaltungen der Medientage neue Akzente gesetzt werden, zum Beispiel in Bezug auf Deregulierung und die Angleichung der Medienregulierung im Rahmen einer konvergenten Medienordnung. Außerdem erwarte ich neue Erkenntnisse bezüglich der Realisierung neuer Geschäftmodelle im Internet und der Überführung bestehender Geschäftsmodelle in die digitale Medienwelt. Nicht zuletzt gehen wir davon aus, dass auf den Medientagen auch neue Innovationsansätze zur Fortentwicklung der Medien präsentiert werden. Dazu werden unsere über 30 Mitveranstalter und 450 Referenten beitragen. Außerdem bieten die Medientage eine große Networking-Plattform für den Austausch neuer Gedanken und Ideen. Das ist für die meisten Besucher mindestens ebenso wichtig wie die Podiumsdiskussionen. dh
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