Netflix im HORIZONT-Check Ein gutes Fundament für die TV-Revolution

Mittwoch, 17. September 2014
Netflix ist in Deutschland an den Start gegangen
Netflix ist in Deutschland an den Start gegangen
Foto: Unternehmen

Der Deutschlandstart von Netflix elektrisiert die Serien- und Filmfans - und das schon seit einer ganzen Weile. Aber was kann die mit vielen Vorschusslorbeeren aus den USA importierte Video-on-Demand-Plattform wirklich? Liefert sie echten Mehrwert gegenüber den etablierten Playern Maxdome, Watchever und Amazon Prime Instant Video? Oder ist sie nur ein Abklatsch der bestehenden Dienste im deutschen Markt mit klangvollem Namen? HORIZONT hat Netflix genau unter die Lupe genommen.
Als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass Netflix zum Launch vor allem altbekannte Formate wie "Stromberg", "Die Sendung mit der Maus" und Til-Schweiger-Filme eingekauft hat, die es auch bei der Konkurrenz zu sehen gibt, war die Enttäuschung bei vielen groß. Schließlich steht der Streamingdienst in Übersee für reichlich Innovation durch eigenproduzierte Serien - allen voran "House of Cards" - die die großen TV-Sender wie HBO mehr und mehr ins Grübeln bringen. Dass bei der hiesigen Konstellation aber erst einmal Klinkenputzen mit den Rechtehaltern angesagt war, um überhaupt ein adäquates Angebot an den Start zu bringen, kann tatsächlich niemanden überraschen. Blickt man auf die vielen Serien und Filme, die seit dem offiziellen Startschuss gestern verfügbar sind, wird klar: Netflix hat in Deutschland seine Hausaufgaben fürs Erste gemacht. Das Angebot weist im Vergleich zu Maxdome, Watchever und Amazon Prime Instant Video eigentlich keine Nachteile auf. Na klar: Auch Netflix kann nicht jede Serie bereitstellen und offenbart Lücken - die so erfolgreichen Formate von US-Rivale HBO wie "Game of Thrones", "True Detective" oder "The Sopranos", die hierzulande bei Pay-TV-Anbieter Sky zu sehen sind, sind logischerweise nicht dabei. Dafür bietet der Dienst eine beachtliche Menge an Serien und Filmen an, legt den Fokus dabei aber mehr auf internationale respektive US-amerikanische Formate als auf deutsche - ein auffälliger Unterschied zum Angebot von Hauptkonkurrent Maxdome.

Gerade deshalb ist Netflix vor allem für jene eine lohnenswerte Angelegenheit, die Blockbuster-Serien aus den USA sehen wollen. Neben dem modernen Klassiker "Breaking Bad", der jedoch auch bei den anderen Diensten abrufbar ist, stehen den Netflix-Usern auch die ersten beiden Staffeln "House of Cards" zur Verfügung. Dazu hat der Dienst in den USA erfolgreiche Serien wie "Pretty Little Liars", "Sherlock", "Penny Dreadful" sowie die Film-Spin-offs "Fargo" und "From Dusk Till Dawn" eingekauft, die erstmals in Deutschland zu sehen sind. Bemerkenswert: Nahezu alle Filme und Serien gibt es auf Wunsch in der Originalversion und mit Untertiteln in Deutsch oder der Originalsprache - ein echter Vorteil gegenüber den übrigen Anbietern. Übrigens: Deutsche Netflix-Kunden können fortan in den USA das dort ungleich umfangreichere Angebot des Streamingdienstes nutzen.
Auszug aus dem Netflix-Portfolio
Auszug aus dem Netflix-Portfolio (Bild: Unternehmen)
Das tatsächliche Alleinstellungsmerkmal des Dienstes dürften mittelfristig allerdings die Eigenproduktionen werden, die hierzulande zwar noch relativ unbekannt sind, aber in Kennerkreisen schon eine große Fangemeinde haben. Zum gestrigen Launch ist davon neben "House of Cards", das parallel auch bei Sky läuft, zwar allein die Emmy-prämierte Serie "Orange Is The New Black" dabei. Doch liegt genau hierin der große Vorteil von Netflix im deutschen Markt: Künftig wird das Unternehmen wohl kaum mehr Rechte für eigene Formate verkaufen, sondern ganz auf ihre Verfügbarkeit im eigenen Portfolio setzen. Schließlich zählen am Ende auch für Netflix nur die Abonnenten- und Umsatzzahlen.

Das User-Interface der Plattform auf Browser, Mobile-Device und TV-Applikation unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von Maxdome, Watchever und Co. Anders als bei manch anderem Dienst besteht bei Netflix jedoch die Möglichkeit zu einer eigenen Favoritenliste, auf deren Basis der Nutzer Vorschläge für weitere Inhalte bekommt, die ihn interessieren könnten. Außerdem kann man das Angebot mittels eines Fragebogens in mehreren Schritten personalisieren. Die Preisstruktur bei Netflix unterscheidet sich nur unwesentlich von dem der Konkurrenten: Je nach Anzahl der verwendeten Geräte (sehr nützlich für Haushalte mit mehreren Personen und Devices) und HD-Option müssen Abonnenten 7,99 bis 11,99 Euro pro Monat berappen. Dafür steht ihnen das gesamte Angebot zur Verfügung. Dazu bietet Netflix wie auch die anderen Dienste eine einmonatige Probephase an. Das Kündigen eines Accounts funktioniert ganz leicht über das Online-Konto.

Fazit

Das Angebot, mit dem Netflix hierzulande an den Start geht, unterscheidet sich qualitativ zunächst einmal nur geringfügig von dem der übrigen Video-on-Demand-Konkurrenten im deutschen Markt. Es  gibt einige wenige exklusive Formate, viele Überschneidungen zu Maxdome, Watchever und Amazon Prime Instant Video und auch das Pricing ist ähnlich. Die Wahrheit darüber, ob Netflix das Zeug zum Gamechanger unter den Streamingplattformen hat, liegt vielmehr im Auge des Betrachters. Nimmt man nur das bestehende Angebot, das sich kurzfristig kaum ändern wird, gibt es wenig Grund zu einem schnellen Wechsel von einem anderen Dienst - es sei denn man ist Fan der exklusiven Originalserien aus den USA wie "Orange Is The New Black", "Fargo" und Co.

Womit Netflix wuchern kann, ist zunächst einmal sein guter Ruf, den sich die Plattform längst schon bei deutschen Serienfans durch die eigenproduzierten Erfolgsformate erworben hat. Womöglich ist es ja genau dieser Aspekt, auf den die Verantwortlichen im wachsenden deutschen Markt setzen: Durch die Verfügbarkeit des mittlerweile "großen Namens" Netflix, dessen Angebot den anderen Playern in kaum etwas nachsteht, könnten gerade Neukunden gewonnen werden.

Das wahre Potenzial des Anbieters steckt neben seiner Internationalität, die ein wenig zu Lasten der deutschen Inhalte geht, aber in den Eigenproduktionen: Wenn Netflix es schafft, auch in Zukunft weitere Serien-Glanzlichter wie "House of Cards" zu entwickeln, könnte sich der Dienst in wenigen Jahren von seinen deutschen Widersachern klar abheben. Besonders interessant wird dabei zu sehen sein, ob es gelingt, auch deutsche Serien selbst zu produzieren, die mutig sind, starke Geschichten erzählen und sich vom Einheitsbrei im klassischen TV abheben. Die Verantwortlichen haben es zumindest vor. Und vielleicht löst Netflix so langfristig ja wirklich eine Revolution aus. tt
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    (Bild: Oliver Walterscheid und Sebastian Gabsch/Netflix)
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