"Neon" Mehrzahl der Redakteure zieht nach Hamburg

Mittwoch, 12. Februar 2014
"Neon" muss demnächst Abschied von München feiern
"Neon" muss demnächst Abschied von München feiern

Lange war unklar, wie viele Mitarbeiter der Magazine "Neon" und "Nido" den von Gruner + Jahr verordneten Umzug von München nach Hamburg mitmachen würden. Zunächst hieß es, die Redaktion sperre sich nahezu geschlossen gegen ihre Umsiedlung, die Chefredakteure Vera Schroeder und Patrick Bauer warfen das Handtuch. Nun steht fest: Die Mehrheit der Redaktion folgt dem neuen Chefredakteur Oliver Stolle in den Norden. "Von den fest angestellten Redakteuren kommen mehr als die Hälfte mit. Das ist eine gute Quote, wenn man die Stimmung bedenkt, als der Umzug bekannt wurde", stellt Stolle im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" fest. "Und das Herz von 'Neon', die Textredaktion, zieht geschlossen nach Hamburg, auch weite Teile von Bildredaktion und Grafik." Insgesamt würden auf jeden Fall genügend Kollegen mitkommen "um den Geist von 'Neon' und 'Nido' zu erhalten, betont der seit Anfang Januar amtierende Chefredakteur.

Gruner + Jahr löst im Zuge des Verlagsumbaus den Standort in München auf. Neben den jungen Magazinen "Neon" und "Nido" sind auch die Titel "Eltern" und "P.M." von dem Umzug betroffen. Von deren Mitarbeitern zieht nur ein Drittel nach Hamburg. Die restlichen Mitarbeiter nahmen die Abfindungsangebote von Gruner + Jahr an. Zunächst schien die Quote bei "Neon" und dem Ableger "Nido" noch schlechter auszufallen. Medienberichten zufolge weigerten sich die Redaktionen zunächst "nahezu komplett" München zu verlassen. Die beiden Chefredakteure Vera Schroeder und Patrick Bauer, gerade ein Jahr im Amt, warfen hin.

Nun kommt doch nicht alles so schlimm wie befürchtet. Ob Gruner + Jahr die Gunst der Stunde nutzt, um Stellen und damit Kosten einzusparen, beantwortet Stolle nicht eindeutig: "Wir haben so geplant, als würden wir komplett nach Hamburg ziehen. Jetzt schauen wir, wie wir die Redaktion neu aufstellen." Die Doppelredaktion der beiden Titel sei "gewachsen wie ein Korallenriff, das lässt sich nicht exakt nachbilden und das ist auch nicht an jeder Stelle ideal".

Eine stärkere Einflussnahme durch den Verlag fürchtet Stolle in Hamburg indes nicht: "Ich rechne überhaupt nicht damit, dass irgendwelche neuen, seltsamen Erwartungen an uns herangetragen werden, denen wir zu genügen haben." Auch um die Zukunft des Magazins macht sich der neue Chefredakteur keine Sorgen: "Wir haben immer noch eine super Auflage, und es wird noch eine lange dauern, bis die Leute aufhören, 'Neon' gedruckt zu kaufen."

Dennoch arbeitet die Redaktion intensiv an neuen digitalen Produkten wie einem E-Mag mit Bewegtbild, Ton und Verlinkungen und einem Blog. "Das Tolle an dieser Redaktion ist, dass sie das selbst machen wollte", betont Stolle. "Das hat sich nicht irgendein digitaler Visionär aus dem Verlag ausgedacht." dh
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