Neo Magazin Royale Wie Jan Böhmermann eine Fake-Doku über einen NS-Freizeitpark inszeniert

Freitag, 17. November 2017
"Reichspark" soll der Freizeitpark angeblich heißen
"Reichspark" soll der Freizeitpark angeblich heißen
© Neo Magazin Royale

Ein Themenpark für die ganze Familie, in dem man schlagartig in die Zeit des Nationalsozialismus katapultiert wird: Skandal oder eine neue Art von Erinnerungsstätte? Der Satiriker Jan Böhmermann hinterfragt das Projekt doch sehr und trifft sich in der neusten Folge des Neo Magazin Royale mit dem Verantwortlichen, der den sogenannten "Reichspark" in Brandenburg bauen will. 45 Minuten lang dokumentiert Böhmermann die Pläne des Gründers Raphael Gamper. Was dabei allerdings nicht zur Sprache kommt: Alles ist nur inszeniert.
Nach #Verafake und Co liefert Böhmermanns einen neuen Coup, in dem der Zuschauer Realität und Inszenierung nicht auseinanderhalten kann und darüber auch nicht aufgeklärt wird. In der Doku über den "Reichspark" sprechen Böhmermann und sein Kollege Ralf Kabelka nicht nur mehrmals mit dem Planer "Raphael Gamper" von einer Firma namens "HG Business Consulting", sondern besuchen auch reale Locations, an denen man die Nazi-Zeit hautnah oder per Virtual Reality erleben kann. Was das Auseinanderhalten von Wirklichkeit und Fake zusätzlich erschwert: Die Website von HG Business Consulting und den zugehörigen Teaser zum Themenpark findet man tatsächlich im Internet. Aufmerksamen Zuschauern fielen dabei allerdings einige Ungereimheiten auf - siehe unten.

Im "Reichspark" sollen demnach vermeintlich vier Erlebnisbereiche entstehen: Rememberland, Warland, Historyland und Alt Berlin. Neben nachgestellten "Events" wie der Bücherverbrennung und einer Horror-Achterbahnfahrt, in der man die Bombardierung Dresdens nacherlebt, soll es dort auch ein nachgebautes Konzentrationslager und ein VR-Erlebnis der Schlacht von Stalingrad bei -20 Grad Celsius geben. Und Schweinebraten to go. "Gamper" ist überzeugt von seinem Konzept und bringt auch andere Freizeitpark-Bauer und -Planer dazu, den "Reichspark" mit ihren Produkten zu unterstützen. Ob die Aufnahmen von der Event-Messe echt sind oder nicht, steht nicht fest.

Das gilt auch für einen weiteren vermeintlichen Leak: "Gamper" soll sich mit knapp 30 Bundes- und Landespolitikern getroffen haben. Eines dieser Treffen filmt das Neo Magazin Royale mit versteckter Kamera. Es werden aus rechtlichen Gründen keine Namen genannt. Das Spiegel-Portal Bento, das Böhmermann übrigens zuletzt aufsehenserregend auseinandernahm, berichtet allerdings von einer Website der rechten Szene, auf dem von einem Treffen mit dem Potsdamer Landtagsmitglieds Thomas Jung (AfD) die Rede ist. Die Blogger gehen allerdings selsbt davon aus, dass hier Satiriker am Werk waren. bre

Gewiefte Twitter-User kamen dem Geheimnis des "Reichsparks" auf die Schliche:

So reagieren andere Twitter-User auf den "Reichspark":


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