Neo Magazin Royale Jan Böhmermanns gnadenloser Abgesang auf Bento - und welche Alternative er bietet

Freitag, 27. Oktober 2017
Böhmermann lässt kein gutes Haar am Spiegel-Angebot Bento
Böhmermann lässt kein gutes Haar am Spiegel-Angebot Bento
© ZDF

Deutschlands oberster Satiriker hat wieder zugeschlagen - und diesmal trifft es den Spiegel Verlag. Weil der mit seinem jungen Angebot Bento und teils fragwürdigen Mitteln um Nutzer buhlt, widmet sich Jan Böhmermann in seiner Show Neo Magazin Royale volle 20 Minuten dem "Prestigeprojekt des deutschen Einhorn-Journalismus". Sein Urteil ist vernichtend - er hat aber auch eine (gedruckte) Alternative in petto.
"Die Website gewordene Schulklotür", "publizistische Schnapsidee", eine "journalistische Insolvenzerklärung" - Böhmermann lässt wirklich kein gutes Haar an dem im Oktober 2015 gestarteten Angebot des Spiegel Verlags. Mit Bento will das Medienhaus die Zielgruppe der 18- bis 30-Jährigen erreichen. Mit einigem Erfolg: 3,3 Millionen Unique User hatte die Website laut Agof im September. Das sind deutlich mehr als die Konkurrenten Ze.tt (Zeit), Byou und Noizz (beide Bild) und Jetzt.de (Süddeutsche). Nur wie diese Besucherzahlen zustandekommen, damit kann sich Böhmermann so rein gar nicht identifizieren.
Jan Böhmermann a.k.a. Adi
Bild: Screenshot Youtube

Mehr zum Thema

Jan Böhmermann Die bitterböse Hitler-Parodie auf Youtuber Julien Bam

Bento setzt nämlich mit Vorliebe auf Listicles (nicht umsonst heißt das Böhmermann-Video auch "Bento - 69 Gründe für den Tod des Qualitätsjournalismus"), Quizze (laut Redakteurin Julia Rieke "manchmal Quatsch, aber ganz oft auch sehr lehrreich") und auch sonst eher fragwürdige journalistische Inhalte. Hinzu kommt der widersprüchliche Umgang mit Native Advertising. Redaktionsleiter Ole Reißmann kritisiert einerseits ein Werbe-Posting von Sängerin Lena Mayer-Landrut für die Telekom, andererseits sieht der Spiegel Verlag in der Einbindung gesponserter Inhalte ins Bento-Layout einen USP des Angebots.
"Es ist unsere gottverdammte journalistische Pflicht, den Quatsch, den Bento jeden Tag im Netz verzapft, ans Licht zu bringen", sagt Böhmermann - und er hat dafür gleich einen Vorschlag. Mit "Printo" veröffentlicht er heute ein eigenes Druckwerk, das mit eigenen Meldungen im Stile von "Rudolf Augsteins liebstem publizistischen Baby" aufmacht. Also eine gedruckte Zeitung. So erscheine der "Schwachsinn von Bento" in einer "völlig revolutionären Form".

Kleiner Teaser gefällig? Ein Thema heißt: "Qualitätsjournalismus oder Arschfick - was ist geiler? Bento-Reporterin Miriam hat's ausprobiert". Und es wird noch doller: Printo hat inzwischen eine eigene Website und wird heute in verschiedenen deutschen Städten verteilt. Wann und wo, erfährt man auf der Homepage. fam
Meist gelesen
stats