Nach vier Monaten Gruner + Jahr stampft Wochentitel "Frei" ein

Donnerstag, 16. Juni 2016
Das Aus kommt nach nur vier Monaten: "Frei" wird eingestellt
Das Aus kommt nach nur vier Monaten: "Frei" wird eingestellt
Foto: G+J
Themenseiten zu diesem Artikel:

Gruner + Jahr Frauenmagazin People


Aus und vorbei für "Frei": Gruner + Jahr stellt seinen vor gut vier Monaten gestarteten Wochentitel schon wieder ein. Nach Informationen von HORIZONT wird am Freitag dieser Woche die letzte Ausgabe des ambitioniert gedachten Frauenmagazins erscheinen.

Ein G+J-Sprecher bestätigt dies nun auf Anfrage. Völlig überraschend kommt das Aus indes nicht. Bereits Anfang Mai hatte HORIZONT Online über desaströse Zahlen von der Verkaufsfront berichtet. Denn nach Informationen aus Vertriebskreisen konnte "Frei" im Einzelverkauf (inklusive Bahnhofsbuchhandel und Ausland) bis dato im Schnitt lediglich zwischen 40.000 und 50.000 Hefte absetzen; die Zahl der Abos dürfte zu vernachlässigen sein. Selbst das testweise kurzzeitige Absenken des Copypreises auf 1,20 Euro in einigen Grosso-Gebieten hat zwar dort die Verkäufe um etwa 10 Prozent gepusht – dennoch dürften sie in der Hochrechnung insgesamt unter 50.000 Stück geblieben sein.

Viel zu wenig für dieses groß gedachte (anfangs 500.000 Stück Druckauflage) und für G+J strategisch relevante (Einstieg ins am Vertriebsmarkt orientierte Segment der Women’s Weeklys) Projekt. Eine Zielauflage hat G+J zwar offiziell nie genannt – doch angesichts der Umstände war alles andere als eine sechsstellige Auflage ein Flop. Dem Vernehmen nach lag die „Frei“-Gewinnschwelle bei rund 150.000 verkauften Exemplaren (Copypreis: 1,90 Euro).

Das Aus von „Frei“, von dem rund zehn Stellen betroffen sind - die meisten davon befristet -, ist der erste größere Misserfolg der ansonsten zuletzt mit einiger Fortune agierenden Führungscrew von G+J: Siehe die teils sehr erfolgreichen neuen Monats-, Zweimonats- oder Quartalstitel – allein 2015 hat G+J acht davon gestartet („Barbara“, „Stern Crime“). Und siehe auch den guten Lauf in der Werbevermarktung und im Digitalgeschäft sowie die Tatkraft im Vertrieb, bei Joint Ventures („Landlust“) und im Content Marketing.

War es den Versuch wert, mit „Frei“ – Gruner + Jahrs wohl größtem Print-Abenteuer seiner jüngeren Geschichte (Wochentakt!) – einen immerhin siebenstelligen Betrag zu versenken? Ja, war es. Warum, das hat HORIZONT Online bereits ausführlich Anfang Mai beschrieben. Und auch, warum Häme nun fehl am Platz ist.

Bleibt eine wichtige Frage zur Klärung: Geht da wirklich nichts mehr im Markt der Women’s Weeklys – oder war „Frei“ nur das falsche (oder ein schlechtes) Produkt? Zur Einordnung: Auch Bauers Versuch mit „Easy“ hat nicht funktioniert, und im benachbarten People-Segment tut sich der vertriebserfahrene Großverlag eher schwer als leicht mit „People“. Aber auch hier ist Häme unangebracht. Denn andere Verlage wagen sich schon längst nicht mehr in den Wochentakt – während es Bauer hier sogar mit weiteren neuen Titeln versuchen will. rp

Meist gelesen
stats