Nach Zuschauer-Herabwürdigung Vorstandschef Thomas Ebeling verlässt Pro Sieben Sat 1

Sonntag, 19. November 2017
Thomas Ebeling geht vorzeitig
Thomas Ebeling geht vorzeitig

Die Tage von Thomas Ebeling als Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 sind gezählt. Ebeling wird das Unternehmen vorzeitig verlassen. Der 58-Jährige, der kürzlich nach einer umstrittenen Äußerung zum TV-Publikum in die Kritik geraten war, nimmt bereits Ende Februar 2018 seinen Hut. Darauf haben sich Ebeling und der Aufsichtsrat am Sonntag "einvernehmlich" verständigt, wie es offiziell heißt. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Mitte 2019.
Zu den Gründen des vorzeitigen Abgangs verliert Pro Sieben Sat 1 in der am Sonntagabend herausgegebenen Pressemitteilung kein Wort. Es ist jedoch naheliegend, dass Ebelings umstrittene Äußerungen zum TV-Publikum den Ausschlag gegeben haben. Ebeling, der ohnehin als amtsmüde gilt und bereits angekündigt hatte, seinen Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen, hatte vor wenigen Tagen in einem Analystencall Teile des TV-Publikums als "ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm" bezeichnet. Pro Sieben Sat 1 hatte zwar im Nachgang versucht, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und betont, dass die Aussagen Ebelings aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. 
Ebeling korrigiert erneut Prognose
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Wer in die Fußstapfen Ebelings als Vorstandschef tritt, ist noch unklar. Ein Nachfolger, nach dem schon seit längerem gesucht werde, soll "zu gegebener Zeit benannt werden", teilt Pro Sieben Sat 1 lediglich mit. Als eine Art Backup wird nun Conrad Albert aufgebaut. Der Manager, der seit 2005 bei Pro Sieben Sat 1 an Bord ist und zuletzt als  Vorstand External Affairs & Industry Relations sowie als General Counsel wirkte, ist nun zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt worden. Damit will der Konzern sicherstellen, dass - falls der Nachfolger sein Amt nicht unmittelbar nach dem Ausscheiden Ebelings antreten kann - die Kontinuität im Unternehmen gesichert wird.

Auf den neuen Vorstandschef warten große Herausforderungen. Grund: Das Kerngeschäft von Pro Sieben Sat 1 schwächelt. Sowohl Sat 1 als auch neuerdings Pro Sieben haben Probleme im Zuschauermarkt und lassen sich daher schwer kapitalisieren. Der Konzern musste seinen Ausblick fürs Gesamtjahr mit der Vorlage der Zahlen fürs 3. Quartal erneut nach unten korrigieren und rechnet nun nur noch mit einem Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Zudem sucht der Konzern wie berichtet nach Finanzinvestoren, um sein Digitalgeschäft weiterzuentwickeln. 

Ungeachtet dessen bekommt Ebeling vom Aufsichtsrat zum Abschied nur lobende Worte mit auf den Weg. Werner Brandt, Vorsitzender des Aufsichtsrats, würdigt den seit 2009 amtierenden Vorstandschef als "eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten der Medienindustrie", um ihm wenig später im Namen des gesamten Aufsichtsrats für seine "hervorragende Arbeit" zu danken, die das Unternehmen zuletzt "bis in den DAX geführt" habe. Der Nachfolger müsse daher eine Persönlichkeit sein, "die die hervorragende Arbeit von Thomas Ebeling fortsetzt und die Diversifikation und die digitale Transformation mit ebenso unternehmerischem Weitblick weiter vorantreibt". mas
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