Nach TV-Bericht über Gen-Gemüse Facebook-Nutzer rufen zu Hipp-Boykott auf

Dienstag, 08. Oktober 2013
In der Werbung bürgt Unternehmensgründer Claus Hipp persönlich für die Qualität seiner Produkte
In der Werbung bürgt Unternehmensgründer Claus Hipp persönlich für die Qualität seiner Produkte


Hipp hat's erwischt: Ausgerechnet das Familienunternehmen, dessen Kunden laut einer gerade veröffentlichten Studie zu den loyalsten überhaupt gehören, wird von einem gerade erst beginnenden Shitstorm ereilt. Auslöser ist ein Bericht des ZDF-Verbrauchermagazins "WISO", demzufolge Spuren von gentechnisch verändertem Gemüse in einigen Babykost-Gläsern von Hipp gefunden wurde. Auf Facebook rufen die ersten Kunden zum Boykott auf. "Danke Firma Hipp, dass sie meine Tochter als gentechnisches Versuchsobjekt benutzt haben. Solch ein Aktionismus belohne ich mit dem Aussortieren ihrer Produkte aus meinem Vorratsschrank", kommentiert ein Vater auf Facebook. Eine Mutter schreibt: "Ich als bisheriger guter Kunde werde kein einziges Ihrer Produkte mehr kaufen oder weiterempfehlen. Wenn man für so einen Betrug mit seinem Namen und seinem Gesicht steht, ist man zu allem bereit. Finden Sie das nicht sehr beschämend?" Wie letzterer spielen viele Kommentare auf das von Hipp selbst geprägte Image der Saubermarke an.

Seit Jahren wirbt das Unternehmen unter anderem in breiten TV-Kampagnen mit Unternehmensgründer Claus Hipp, der persönlich für die Qualität seiner Produkte bürgt. Die werbliche Konstanz und die hohe Messlatte bei Qualitätsstandards, die den Markenkern von Hipp bilden, werden dem Unternehmen nun zum Verhängnis - die Schlagzeilen treffen Hipp deutlich stärker als die vom "WISO"-Bericht ebenfalls diskreditierten Demeter-zertifizierten Babygläser der Marke Holle.

Anstatt den besorgten Müttern und Vätern auf Facebook persönlich zu antworten, reagiert Hipp lediglich mit dem wiederholten und emotionslosen Link auf die offizielle Stellungnahme auf der Unternehmenswebsite - und provoziert so noch mehr miese Stimmung. In der Stellungnahme, die nicht auf der Homepage, sondern im Pressebereich zu finden ist - wo verägerte Verbraucher in der Regeln nicht suchen - bezeichnet Hipp die vom ZDF aufgestellten Behauptungen als "falsch". "Hipp versichert, dass kein gentechnisch verändertes Gemüse verarbeitet wird und darüber hinaus beim Anbau keine CMS-Gemüsesorten zum Einsatz kommen. (...) Obwohl Pflanzen, die mit Hilfe von CMS gezüchtet wurden, gesundheitlich unbedenklich sind, verbietet Hipp seinen Erzeugern aus grundsätzlichen Erwägungen den Einsatz von CMS-Saatgut. Wir können uns daher die Ursache der gefundenen CMS-Spuren nicht erklären, sind aber dabei den Sachverhalt zu prüfen." Gegenüber der "WISO"-Redaktion hatte Hipp bereits schärferer Kontrollen angekündigt.

Die umstrittenen CMS-Hybride, mit denen Ernteerträge gesteigert werden können, sind nach dem EU-Bio-Standard nicht verboten, die meisten deutschen Bio-Hersteller verzichten aber freiwillig auf sie und betonen dies gerne - dazu gehört auch Hipp. Das Medien- und Verbraucherecho auf die von der ZDF-Pressestelle am Sonntag veröffentlichten Vorwürfe fiel zunächst verhalten aus. Seit der Ausstrahlung der "WISO"-Sendung am Montagabend verbreiten sich die negativen Kommentare in sozialen Netzwerken allerdings rasant. Für eine Stellungnahme zu weiteren kommunikativen Maßnahmen war Hipp heute noch nicht zu erreichen. mh
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