NSA-Berichterstattung "Spiegel" wirft "Bild" Gefährdung von Entführungsopfer vor

Dienstag, 13. August 2013
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity (Bild: Der Spiegel)
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity (Bild: Der Spiegel)

Der "Spiegel" erhebt schwere Vorwürfe gegen "Bild". Indem die Boulevardzeitung über einen früheren freien Mitarbeiter von Spiegel Online berichtete, der in einem islamischen Land entführt worden war, begehe sie einen "Tabubruch" und erhöhe zugleich das Risiko für das Entführungsopfer. Bei dem Entführten handele es sich um einen Deutsch-Amerikaner, der für Recherchen zu einem neuen Buch in einem islamischen Land unterwegs war und dabei entführt wurde. "Spiegel Online" wiederspricht dabei den Ausführungen der "Bild", wonach der Mann Reporter bei dem Nachrichtenmagazin sei. Vielmehr habe er früher unter anderem für "Spiegel Online" gearbeitet. Nach eigenen Angaben habe der "Spiegel" auf Bitten der Bundesregierung auf eine ausführliche Berichterstattung zu dem Fall berichtet, um das Leben der Geisel nicht zu gefährden. Dies sei eine zwischen Medien und Sicherheitsbehörden übliche Vereinbarung bei Geiselnahmen - und sei auch im Fall der Entführung zweier "Bild"-Mitarbeiter 2010 im Iran so gehandhabt worden.

Die "Bild" hatte zuvor den "Spiegel" für dessen Berichterstattung zur Zusammenarbeit zwischen dem Bundesnachrichtendienst und der US-Behörde NSA kritisiert. Das Magazin verwende den Begriff "Totalüberwachung", obwohl keine Kommunikationsdaten von Bundesbürgern, sondern lediglich "Daten und abgefangene Telefonate von mutmaßlichen Terroristen in Afghanistan und in Nahost" abgeschöpft würden, so "Bild". Nur in einem einzigen Fall sei ein kompletter Datensatz an die Amerikaner weitergegeben worden: Im Falle des entführten "Spiegel"-Mitarbeiters. Ob die Redaktion gewusst habe, dass "die Daten allein zur Befreiung des Kollegen weitergegeben wurden", wollte "Bild" wissen. Eine entsprechende Anfrage der Zeitung beantwortete der "Spiegel" so: "Dem Spiegel ist bekannt, dass dabei auch die Telekommunikation der mutmaßlichen Entführer überwacht wird."

Der "Spiegel" widerspricht nun einem Zusammenhang zwischen der eigenen Berichterstattung und der Entführung: Diese sei ein Einzelfall, "der nur am Rande mit den durch Edward Snowden publik gewordenen Instrumenten zur massenhaften Überwachung globaler Kommunikation zu tun" habe. ire

Update 18.00 Uhr

Axel Springer weist darauf hin, dass auch "Bild" in seiner Berichterstattung auf Details zu dem Entführungsfall verzichtet und sich auf die Verquickung NSA/Spiegel und der Entführung konzentriert habe. Eine "Bild"-Sprecherin hierzu: "Wir weisen die Vorwürfe zurück, Bild ist seiner Berichterstattungspflicht nachgekommen."
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