NEXT 14 Wie digitale Start-ups das Fernsehen neu erfinden wollen

Dienstag, 06. Mai 2014
Schauplatz der Next 2014 ist das Berliner Congress Center
Schauplatz der Next 2014 ist das Berliner Congress Center


Der vom Internet getriebene Medienwandel traf bisher in erster Linie die Printmedien. Während die Verlage ihr Geschäftsmodell radikal auf den Prüftstand stellen mussten, konnten die TV-Sender das Internet bisher als Verlängerung ihres bestehenden Gschäftsmodells nutzen. In dem Panel "The New TV" der Digitalkonferenz NEXT Berlin wurde allerdings deutlich, dass sich das schon in den nächsten Jahren gründlich ändern könnte. Bei Content-Produktion, Aggregation und Distribution wollen digitale Start-up neue Regeln etablieren.
Der Grund für das Interesse der digitalen Pioniere an dem Traditionsmedium TV ist simpel, sagt Mattias Hjelmstedt, Gründer der vor eineinhalb Wochen in Deutschland gestarteten Streamingplattform Magine: "Fernsehen ist an der Nutzungszeit gemessen mit weitem Abstand der wichtigste Konsumanlass im Alltag der Menschen." Hjelmstedt will mit Magine dem TV-Publikum erstmals eine Programm-Plattform bieten, die auf jedem Biildschirm gernutzt werden kann und deutlich mehr Inhalte bieten soll als die in Deutschland schon etablierten Streamingformate. Dabei kommt Magine durch die individuelle Buchung von zusätzlichen Inhalten und zeitversetzte Nutzungsmöglichkeiten einerseits den Nutzern entgegen, will aber andererseits auch die Interessen der Programmverantstalter wahren: "Wir wollen weg von den alten Modellen, wo es nur um die Content-Interessen der Nutzer ging und man dafür die Erlösmodelle der TV-Sender schädigte."

Filmemacher und früherer Manager der B-to-B-E-Commerce-Plattform Alibaba, Porter Erisman, bezweifelt allerdings, ob das bisherige Erlösmodell der TV-Sender noch zukunftsfähig ist. Er sieht eine neue Ära der Contentpreneure, in der Kreative gleichzeitig auch Modelle zu Verbreitung der von ihnen produzierten Bewegtbildinhalte entwickeln. Videoplattformen wie Vimeo oder Youtube werden in diesem Szenario zu Marktplätzen der Bewegtbild-Ware.

Auch bei dem eigentlichen Bildschirmerlebnis sind noch Innovationen möglich: So kündigte Anne-Marie Roussel, Mitgründerin des kalifornischen Start-ups Seespace, für den Herbst dieses Jahres die Markteinführung von inAir an. Das Gerät, das an den Fernseher angeschlossen wird, soll das laufende Fernsehprogramm mit relevanten Online-Inhalten ergänzen. Augmented TV sei auch im Interesse der Programmverantstalter, sagtr Roussel: "Studien zeigen, dass durch Second-Screen-Nutzung ein Viertel der Zuschauer für das eigentliche Programm verloren sind. Wir bringen diese multitaskende Zuschauer wieder zum Programm zurück.

Das Innovationstempo der TV-Branche wird allerdings durch die vielfältigen Institutionen zum Schutz der Verwertungsrechte deutlich gebremst, kritisiert Stefan Volck, CEO des Start-ups Tvisted: "Ideal wäre es, wenn man erst einmal testen könnte, ob eine Idee auch tatsächlich beim Publikum ankommt. Aber die Realität ist, dass man zunächst mit allen beteiligten Seiten sprechen muss, was eine enorme Investition an Zeit und Geld ist, bevor man überhaupt testen kann, ob diese neue Idee auch tatsächlich lukrativ ist." cam
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