N24 Warum die Reportage "Kleine Welt" auf Facebook Premiere feiert

Mittwoch, 02. März 2016
Kristina Faßler verantwortet Kommunikation und Marketing bei WeltN24
Kristina Faßler verantwortet Kommunikation und Marketing bei WeltN24
Foto: Axel Springer

Experiment mit Zukunft? Am Mittwochabend zeigt N24 die erste Folge des neuen Reportageformats "Kleine Welt" zuerst auf Facebook, erst einen Tag später folgt die TV-Premiere. Gegenüber HORIZONT Online erklärt Sendersprecherin Kristina Faßler die Strategie.
Im Hause Axel Springer wird gerne experimentiert, sei es mit Facebooks Instant Articles, Googles Accelerated Mobile Pages, Twitters Periscope oder 360-Grad-Videos. Nun wagt sich ein Medium des Hauses an ein weiteres Versuchsfeld, das bei den Berliner bislang noch brachlag: Am heutigen Mittwoch um 21 Uhr zeigt der TV-Sender N24 die erste Folge der Reportagereihe "Kleine Welt. Auf den Spuren der Sechs-Freunde-Theorie" auf seiner Facebook-Seite - noch vor der Ausstrahlung im TV. Am 3. März um 16.05 Uhr ist die Auftaktfolge des neuen Formats auch im klassischen TV bei N24 erstmals zu sehen. Anschließend wird das Video auf Facebook entfernt und steht lediglich noch für 30 Tage zum Abruf in der Mediathek des Senders bereit. Auf die Frage, warum man so vorgeht, antwortet Sendersprecherin Kristina Faßler"Es wäre absurd, vor neuen Kanälen oder Plattformen in Ehrfurcht zu erstarren oder sie als Bedrohung sehen. Die sich ergebenden Chancen zu analysieren, die Möglichkeiten strategisch zu nutzen und dabei immer wieder etwas auszuprobieren, ist der richtige Weg."

Gerade "Kleine Welt" eigne sich besonders gut für diese Facebook-Premiere. In der Reportage beschäftigt sich der Reisejournalist Christoph Karrasch mit der in den 1960er Jahren entwickelten Theorie, wonach jeder jeden über sechs Ecken kennt. Auf Facebook soll der durchschnittliche Wert sogar bei nur 3,57 Ecken liegen. "'Kleine Welt' beschäftigt sich mit dem Thema Vernetzung. Da ist es nur folgerichtig, dass wir dieses Format auf der größten sozialen Plattform der Welt zeigen. Das ist perfekte Promotion", so Faßler.
„Es wäre absurd, vor neuen Kanälen oder Plattformen in Ehrfurcht zu erstarren oder sie als Bedrohung sehen.“
Kristina Faßler
Jüngst war zu beobachten, dass immer mehr Marken Facebook nicht nur als weiteren Distributionskanal, sondern mindestens als Startrampe wenn nicht sogar als erste Station für eine Produktion betrachteten. Sport 1 führte im Rahmen einer Europa-League-Übertragung kürzlich ein umfangreiches Experiment mit Livestreaming auf Facebook durch. Und Spox.com zeigte gleich ein ganzes Fußball-Spiel auf Facebook: Die zur Perform Group gehörende Sportwebsite übertrug das Finale des Capital One Cups in England zwischen Liverpool und Manchester City als Livestream - gratis. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin lagen die Aufrufe im sechsstelligen Bereich. 

"In Summe macht es Marken deutlich faszinierender, wenn sie da sind, wo sich auch ihre Zielgruppen aufhalten", sagt Faßler. Wobei sich natürlich die Frage aufdrängt, inwieweit Facebook ein Konkurrenzmedium zum klassischen TV darstellt und das soziale Netzwerk die TV-Übertragung nicht zwangsläufig kannibalisiert. Faßler sieht diese Gefahr jedoch nicht: "Wir merken das an der linearen Reichweite von N24: Obwohl Livestreaming und digitale Video-Angebote immer stärker präsent sind, wachsen wir parallel auch im klassischen, linearen Fernsehen."
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Bild: Illustration: Fotolia

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Hier schließt sich allerdings eine weitere Frage an: Lässt sich mit der auf Facebook generierten nativen Reichweite Geld verdienen? Eine Vermarktung von Videos durch Pre-, Mid- oder Post-Rolls ist auf dem weltgrößten sozialen Netzwerk derzeit nicht möglich, einzig an den Erlösen aus so genannten Suggested Videos werden Publisher derzeit beteiligt.

Das Thema Monetarisierung habe man im Kopf, Vorrang habe es derzeit jedoch nicht, so Faßler: 
"Der Start von 'Kleine Welt' auf Facebook ist für uns zunächst eine Maßnahme, um die Bekanntheit des Formates und die Attraktivität unserer Marke zu erhöhen." Das sei im Prinzip Marketing, so die Sendersprecherin, die bei WeltN24 auch den Bereich Marketing & Commercial Sales leitet. Zudem sei ja noch gar nicht abzusehen, welche Montarisierungsmöglichkeiten Facebook für Video-Inhalte noch anbieten werde. Klar sei nur: "Wer heute so etwas ausprobiert ist auf jeden Fall für das, was kommen kann und vermutlich wird, anständig gerüstet." ire
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