#MythosTwitter Warum die gleichberechtigte Kommunikation eine Illusion ist

Freitag, 07. Oktober 2016
Gleichberechtigte Kommunikation ist auf Twitter nicht zu erwarten.
Gleichberechtigte Kommunikation ist auf Twitter nicht zu erwarten.
Foto: dfv

Die Otto-Brenner-Stiftung hat die Chancen und Grenzen der Kommunikation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter untersucht. Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: Die herrschaftsfreie, gleichberechtigte Kommunikation zwischen den Nutzern ist eine Illusion. Nach wie vor brauche es "klassische" Gatekeeper wie Journalisten, um einen Hashtag zu größerer Popularität zu verhelfen.
Mit dem Aufkommen sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter waren einst viele Hoffnungen verbunden. Massenmedien verlieren ihre Gatekeeper-Rolle und jeder Einzelne kann ohne große Investitionen eigene Nachrichten und Themen setzen - voraussetzungslos und gleichberechtigt. Durch diesen Einfluss auf den Meinungsbildungsprozess könne die demokratische Öffentlichkeit vitalisiert werden. Und tatsächlich kann man solche Prozesse auf Twitter beobachten, man denke nur an die Viralität von #aufschrei, #BlackLifesMatter oder #JeSuisParis.
Doch eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung (OBS) zieht ein sehr ernüchterndes Fazit: Die herrschaftsfreie, gleichberechtigte Kommunikation ist - zumindest auf Twitter - hierzulande eine Illusion. Die Autoren Mathias König und Wolfgang König untersuchten in ihrer Analyse die Publizitätsstrukturen von #klöckner, #landaulandunter und #flüchtlinge. In keinem der drei Fälle fand sich ein dem Idealtypus angenäherter herrschaftsfreier Diskurs, heißt es. "Der Erfolg von Hashtags (und damit auch von bestimmten Themensetzungen) scheint auch im Twitter-Universum nur in enger Kopplung mit den klassischen Gatekeepern möglich zu sein", kommentiert OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand. Twitter stelle sich lediglich als eine technische Publikationsalternative dar, die letztlich von den Akteuren der "üblichen" Publikationsstrukturen dominiert werde.

Ein weiterer Kritikpunkt der Autoren befasst sich mit der mangelnden Transparenz Twitters mit seinen "Trending Topics". So setze das Unternehmen etwa eigene, intransparente Filter ein, um Tweets in der Twitter-Suche zu platzieren und nehme auf diese Weise erheblichen Einfluss auf deren Popularität. "Von herrschaftsfreiem Diskurs kann keine Rede sein", so Legrand. Außerdem setzen Kommuikationsprofis und Unternehmen auf Bots, um vorzugaukeln, dass ein Hashtag gerade viel Aufmerksamkeit generiert. ron


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