Multi-Channel-Networks Von Nutzerklumpen und pickeligen Teenagern

Mittwoch, 18. November 2015
Andrea Malgara, Geschäftsführer Mediaplus
Andrea Malgara, Geschäftsführer Mediaplus
Foto: Mediaplus

Beim HORIZONT Bewegtbild-Gipfel diskutieren Studio-71-Geschäftsführer Ronald Horstman und Mediaplus-Chef Andrea Malgara über Multi-Channel-Networks (MCN). Ein Gespräch über und in Parallelwelten.

Die eine Welt, das ist die von Ronald Horstman. Er führt das Multi-Channel-Network von Pro Sieben Sat 1, in dem die Sendergruppe seine Angebote an eigens für das Netz produzierten Formaten sowie von Aggregatoren bündelt. Mittlerweile verzeichnet die Plattform 365 Millionen Video Views monatlich in Deutschland, Tendenz steigend. Im Vergleich zum Jahr 2014 habe sich das Geschäft in den vergangenen Monaten verdoppelt, detaillierte Zahlen nennt Horstmann nicht. In der Vermarktung profitiere Studio 71 von der Kooperation mit der Sendergruppe. Ein enges Zusammenspiel, das auch für P7S1 Sinn macht: "Die Zielgruppe, die Sie in Scharen bei den Video Days treffen, war bislang nur sehr schwer durch klassisches TV zu erreichen."

Die andere Welt, das ist die von Andrea Malgara. Der Mediaagentur-Geschäftsführer beklagt in München vor allem die fehlende Reichweite, den Engpass an qualitativ hochwertigem Inventar und die mangelhafte Transparenz der MCNs. Denn genau wie bei Youtube habe auch ein MCN wie Studio 71 das Problem der "geklumpten Nutzung", bei der sich nur ein kleiner Teil der User durch eine extrem hohe Nutzung auszeichnet. Hinzu komme die oftmals fehlende Qualität der Inhalte. "Das sieht dank Youtube oder P7S1 zwar von außen ganz gut aus, inhaltlich sind die Formate aber meistens total mau, und dafür gibt es eher einstellige TKPs", so Malgara. Zudem müssten sich Agenturen und Werbekunden auch Gedanken über die Kaufkraft der teilweise sehr jungen Nutzer machen. "Die falschen Konsumenten schauen qualitativ maue Inhalte nicht lange genug", fasst der Mediaplus-Chefs seine Kritik zusammen.

„Wir müssen die Vorstellung ablegen, dass Youtube ein Streichelzoo für pickelige Jugendliche ist.“
Lars Lehne, Google-Manager
Als Wandler zwischen den Welten, wenn man so will, tritt am Nachmittag ausgerechnet Google-Manager Lars Lehne auf. Er gibt beiden Recht - und appelliert dennoch an das klassische Lager, auch die "Klumpen" in der Mediennutzung ernst zu nehmen. "Einige von ganz vielen sind mehr als man denkt", sagt Lehne und führt die Zahlen von Youtuberin Dagi Bee ins Feld, die eine durchschnittliche Netto-Reichweite von 2,5 Millionen pro Video vorweisen kann, bei einem Männeranteil von 40 Prozent. "Selbst wenn wir also alle den Inhalt fragwürdig finden, sind das durchaus Zahlen, die wir ernst nehmen müssen", so Lehne weiter. "Wir müssen die Vorstellung ablegen, dass Youtube ein Streichelzoo für pickelige Jugendliche ist." Deshalb sei die gemeinsame Währung, an der Google gemeinsam - und mittlerweile bereits länger als geplant - mit der AGF arbeitet, auch so wichtig. kan

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