Mozilla-Managerin Katharina Borchert "Uns liegt viel an einem gesunden Internet-Ökosystem"

Donnerstag, 21. Januar 2016
Katharina Borchert auf dem Deutschen Medienkongress
Katharina Borchert auf dem Deutschen Medienkongress
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Seit zwei Wochen im neuen Job, die Möbel im Umzugscontainer, die neue Wohnung im Silicon Valley noch nicht gefunden: Beim Deutschen Medienkongress 2016 trat Katharina Borchert, Chief Innovation Officer bei Mozilla, trotzdem auf das Podium. Nicht nur mit Appellen an die deutsche Onlinebranche, sondern auch mit einem interessanten Bekenntnis: "Uns liegt der sehr viel an einem gesunden Internet-Ökosystem. Werbung ist darin für sehr viele Dinge die Basis."
Interessant deshalb, weil Borcherts neuer Arbeitgeber Mozilla erst vor ein paar Wochen mit einem Update eine Tracking Protection in seinem Firefox-Browser vorinstalliert hat, das nicht nur verhindert, dass Werbedienstleister über Third Party Cookies das Verhalten der Nutzer nachvollziehen und für Werbeprofile sammeln können. Vielmehr blendet das neue Tool im privaten Modus auch einen Großteil der Werbung aus. Borchert, als frühere Spiegel-Online-Geschäftsführerin eine der ersten, die in Deutschland vor den Folgen der Adblocker gewarnt hat, bemüht sich nun um Diplomatie in neuer Rolle: "Ich denke, uns ist allen klar, dass wir bessere und zurückhaltendere Werbung brauchen." Eine Selbstverpflichtung der Unternehmen zu bestimmten Qualitätsstandards sei deshalb nach wie vor notwendig, so Borchert weiter. Auch die Botschaft "Kostenlose Inhalte gegen Werbung" versteht der Nutzer der Mozilla-Managerin zufolge nicht mehr: "Jeder hat ein Recht darauf zu erfahren, welches Unternehmen wen im Internet verfolgt." Dabei gelte es, die gesunde Balance zu erhalten - und dazu gehöre auch Werbung. Unklar sei bislang, ob Mozilla die Tracking Protection auch außerhalb des privaten Bereichs einführen wird.

Die Zustandsbeschreibung der deutschen Onlinebranchefällt dagegen schon deutlich positiver aus. Im Vergleich zu den USA gebe es hierzulande ein deutlich größeres und vielversprechendes Spektrum an Qualitätsmedien, auch das Tempo und der Mut zur Innovation hätten spürbar zugenommen. Allerdings brauche es noch eine bessere Agilität im Entwickeln, die internen Investments in Technologiekompetenz sind laut Borchert vielerorts noch zu gering: "Man kann Journalismus nicht mehr von Technologie trennen. Entwickler dabei als Commodity zu betrachten, ist ein sehr beherzter Schritt in den Untergang." kan
Meist gelesen
stats