Mozilla-CIO Katharina Borchert "Wir haben als Branche gepennt"

Dienstag, 26. Januar 2016
Katharina Borchert im Video-Interview mit HORIZONT Online auf dem Deutschen Medienkongress
Katharina Borchert im Video-Interview mit HORIZONT Online auf dem Deutschen Medienkongress
Foto: HORIZONT

Katharina Borchert gehörte hierzulande zu den ersten Medienmanagern, die vor den Gefahren von Adblockern für das digitale Publishing-Business gewarnt haben. Das ist nun schon gut fünf Jahre her - und jetzt haben wir den Salat, ist man geneigt zu sagen. Mittlerweile arbeitet Borchert nicht mehr in Deutschland: Seit gut drei Wochen ist die ehemalige Geschäftsführerin von Spiegel Online Chief Innovation Officer beim Browserentwickler Mozilla, der mit der neuen Firefox-Version jüngst die Adblocker-Debatte selbst neu entfacht hat. Im Video-Interview mit HORIZONT Online blickt Borchert nun zurück und erklärt, warum die Medien und Werbewirtschaft Adblocking lange nicht ernst genommen haben - und sie spricht über ihre neue Aufgabe bei Mozilla.
2013 führte Spiegel Online unter Katharina Borchert eine Inititive an, bei der die Betreiber namhafter Medienwebsites erstmals gezielt den Versuch starteten, mit den Adblocker-Nutzern zu kommunizieren. Außer SpOn gehörten auch die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Golem.de, RP Online und Zeit Online zu der Anti-Adblocker-Phalanx. Dies löste damals eine Debatte über Adblocker-Nutzung aus, die bis heute nicht verstummt ist - und teilweise sogar vor Gericht ausgefochten wird.

Heute arbeitet Borchert für ein Unternehmen, das selbst als Anbieter eines Adblockers gesehen wird: Die neueste Version des Firefox-Browsers arbeitet mit einer Tracking-Protection, die eigentlich verhindern soll, dass Werbedienstleister Nutzer verfolgen und Profile über sie anlegen. Das Update hat also de facto einen Adblocker vorinstalliert, da es Werbung abgesehen von 1st Party Ads ausblendet. Denelle Dixon Thayer, Chief Legal and Business Officer bei Mozilla, verteidigte das Update gegenüber HORIZONT Online damit, auf diese Weise "den Nutzern die Kontrolle über die Spuren zu geben, die sie im Internet hinterlassen".

Inzwischen tummeln sich immer mehr Anbieter im Bereich Tracking-Protection: Auf der CES in Las Vegas wurde der eBlocker vorgestellt, ein stationäres Gerät, das sich Third-Party-Diensten in den Weg stellt. Und soeben stellte der ehemalige Mozilla-Chef Brendan Eich einen eigenen Browser vor, der das Sammeln von Nutzungsdaten – und damit die meiste Werbung – per Voreinstellung blockiert. ire
Meist gelesen
stats