Motor Presse Stuttgart Jochen Bechtle tritt als Vermarktungschef ab / Vize Markus Eiberger übernimmt

Freitag, 11. August 2017
Motorpresse-Manager Jochen Bechtle
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Jochen Bechtle Markus Eiberger Motor Presse Stuttgart


Das klingt nach Knatsch: Gerade einmal zwei Sätze ist die erste Pressemitteilung kurz, mit der die Motor Presse Stuttgart ihren langjährigen Vermarktungschef Jochen Bechtle verabschiedet – nach 26 Jahren im Haus. Und ohne die üblichen Dankesworte.

Bechtle verlasse das Unternehmen, "um sich neue berufliche Herausforderungen zu suchen", heißt es in der Mitteilung. Die Leitung des Geschäftsbereichs Anzeigen übernimmt ab sofort sein bisheriger Vize Markus Eiberger, 47. Ihm widmet der Verlag ein paar Minuten später eine zweite, weitaus ausführlichere Mitteilung. Man spricht von einer "grundlegenden Neuaufstellung des Vermarktungsbereichs". Was kann das bedeuten?

Vorerst gibt man lediglich an, sich "stärker auf die Erschließung neuer Branchen- und Kundenpotenziale sowie die konsequente Entwicklung kreativer Angebotspakete für die Werbepartner des Medienhauses ausrichten" – was eher floskelhaft und selbstverständlich klingt als wirklich überraschend und neu ausrichtend. Und der frühere Geschäftsbereich Anzeigen heißt nun "Geschäftsbereich Vermarktung"; dies soll den vermeintlich neuen Anspruch "nach innen und außen klar dokumentieren".

Der neue Vermarktungschef Eiberger kam nach seinem Studium und Stationen beim Vogel Verlag und bei Readers Digest 1997 als Mediaberater und Marktforscher zur Motor Presse Stuttgart. Zehn Jahre später übernahm er die Leitung des damals neu gegründeten Fachbereichs Research & Services. 2011 rückte er als Bechtles Stellvertreter auf und übernahm 2013 zusätzlich die Anzeigenleitung Automobil, die er operativ auch jetzt weiter führen wird.

Doch was steckt tatsächlich hinter Bechtles Demission nach 26 Jahren? Die erste Vermutung: Der neue Verlagschef Nils Oberschelp schasst ihn wegen vermeintlich schlechter Performance. Doch dies kann man eher ausschließen, denn die Motor Presse Stuttgart (MPS) steht nach den verfügbaren Werbemarktzahlen nicht (auffallend) schlecht da.

Die zweite Vermutung: Hauptgesellschafter Gruner + Jahr (59,9 Prozent) will jetzt endlich mal durchgreifen und die Vermarktung der in Deutschland rund 30 MPS-Special-Interest-Marken aus den Bereichen Motor (Auto Motor und Sport), Sport (Mountainbike), Freizeit (Caravaning), Lifestyle (Men’s Health) und Transport (Fernfahrer, Flugrevue) übernehmen. G+J will das wohl schon lange – doch die übrigen Gesellschafter, die Gründerfamilien der MPS, und die gemeinsam berufenen MPS-Geschäftsführer (zuletzt Volker Breid) stellten sich dem bisher immer entgehen. Das Kernargument: Special-Interest-Titel müssten anders, kundennäher vermarktet werden als Publikumsmagazine – und das könne man am besten selber.

Denken der neue MPS-Chef Oberschelp und die Gründerfamilien hier nun anders? Wird G+J also bald die MPS-Vermarktung übernehmen – und Bechtle wollte diesen Weg nicht mitgehen? Schließlich hatte er sich schon immer mit überaus klaren Worten gegen jede Art von Kollektivvermarktung gestellt. Ein MPS-Sprecher widerspricht dieser These: "Auch Nils Oberschelp und Markus Eiberger stehen weiterhin zu einer eigenständigen Vermarktung." Und die Binnenorganisation solle "nicht von heute auf morgen umgebaut" werden. Die MPS wolle aber sehr wohl die "integrierte Vermarktung" aller Kanäle forcieren.

Dann bleibt wohl nur eine dritte Erklärung für Bechtles schnöde kommunizierten Abgang: Beim Besprechen von Zielen und Wegen haben der neue Verlagschef Oberschelp (der jüngst die Finanzchefin Andrea Rometsch, die erst seit 2015 im Haus wirkt, und nicht den lang gedienten Bechtle in die Geschäftsführung befördert hat) und Bechtle gemerkt, dass es zwischenmenschlich nicht passt zwischen beiden. Und eigentlich ist das auffallend Schmucklose und Unemotionale an diesem Abschied nach 26 Jahren auch nur so zu erklären: emotional. rp

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