Mit "Talwaerts" aufwärts Junge Journalisten starten Wochenzeitung

Donnerstag, 26. Juni 2014
Ab morgen auf dem Wuppertaler Zeitungsmarkt: "Talwaerts"
Ab morgen auf dem Wuppertaler Zeitungsmarkt: "Talwaerts"
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Florian Schmitz Wuppertal Printprodukt



Schwierige Zeiten erfordern Mut - und den haben Jan Filipzik und Florian Schmitz. Morgen bringen sie in Wuppertal eine neue lokale Wochenzeitung an den Kiosk. Und, als wäre das Vertrauen in ein Printprodukt in der heutigen Zeit nicht schon außergewöhnlich genug: "Talwaerts" enthält keine Anzeigen - die Macher finanzieren das Heft ausschließlich über den Verkauf.
1,90 Euro kostet die Wochenzeitung, die ab morgen jeweils freitags an ausgewählten Stellen und als Abonnement gekauft werden kann. Mit 16 Seiten in Farbe ist "Talwaerts" optisch eine Mischung aus Magazin und Zeitung, inhaltlich setzen die Macher auf Qualitätsjournalismus: "Wir liefern natürlich aktuelle Berichte und Meldungen, legen unseren Fokus aber auf interessante Hintergründe, spannende Reportagen und ungewöhnliche Interviews", sagt der 34-jährige Schmitz.

Die Herausgeber Jan Filipzik (l.) und Florian Schmitz
Die Herausgeber Jan Filipzik (l.) und Florian Schmitz

Insgesamt besteht das "Talwaerts"-Team aus fünf Journalisten, Gastbeiträge und Artikel anderer Autoren sind ausdrücklich willkommen. Bereits zum Start gibt es eine Kooperation mit dem lokalen Nachrichtenportal Njuuz und dem Online-Magazin Woopt, das von Nachwuchsautoren geschrieben wird. Gemeinsam ist allen der Glaube daran, dass guter Journalismus auch im digitalen Zeitalter funktioniert - und dort offenbar sogar anzeigenfrei: "Wir sind unabhängig und niemandem verpflichtet", sagt Filipzik. Kostenlose Artikel im Internet soll es ebenfalls nicht geben, auf der Website werden lediglich die Inhalte der Ausgabe angekündigt. Man wolle weg von der Gratis-Mentalität, die von den Printmedien selbst forciert worden sei, so der 31-Jährige weiter. "Warum sollte noch jemand ,Talwaerts' kaufen, wenn wir unsere Artikel kostenlos anbieten? Selbst wenn wir nur einen Teil kostenlos ins Netz stellen - die Leser machen da keinen Unterschied. Bei ihnen kommt die Message an: Eure Inhalte findet man umsonst auf eurer Webseite."

Von einem Vorgehen nach Art der "Krautreporter" halten die Wuppertaler dagegen nichts, selbst wenn die Idee "für die Zukunft sicher spannend" sei. "Auf lokaler Ebene ist die Zahl der potenziellen Leser, die sich auf eine rein digitale Zeitung einlassen würden, einfach noch zu klein", betont Schmitz.

Die junge Zielgruppe, bestenfalls zwischen 25 und 45 Jahre alt, will das Team um die beiden Herausgeber mit dieser Strategie dennoch erreichen. "Es gibt in unserer Stadt viele Menschen, die mitreden und wissen wollen, was hier passiert. Die aber keine Lust auf eine Tageszeitung haben. Und genau die sprechen wir an", sagt Filipzik. Bislang besitzt die täglich erscheinende "Westdeutsche Zeitung" in Wuppertal eine Alleinstellungsposition. Ab morgen ist das etwas anders. kl
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