Miriam Meckel "Nutzer sind von Werbe-Bombardement genervt"

Donnerstag, 22. Oktober 2015
"Wiwo"-Chefin Miriam Meckel auf den Medientagen München
"Wiwo"-Chefin Miriam Meckel auf den Medientagen München
Foto: Medientage München

Wie können Medien im Internet Geld verdienen? Die Frage treibt Journalisten und Medienmacher schon fast seit der Erfindung des Netzes um. Mittlerweile belegen die Zahlen eine positive Entwicklung für die Branche. Doch die größte Einnahmequelle, die Werbung, stellt sie vor Herausforderungen, etwa durch Werbeblocker.

Die Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche", Miriam Meckel, forderte die Werbeindustrie zu deutlich mehr Kreativität auf und stellte den Sinn der neuen Werbeblocker im Onlinemarkt infrage. Adblocker, die die Werbebotschaften unterbinden sollen, seien nur deshalb so erfolgreich, weil die Menschen im Netz überschwemmt würden von schlecht gemachten Anzeigen, sagte Meckel am Mittwoch auf den Münchner Medientagen. "Nutzer sind immer stärker genervt von einem Werbe-Bombardement."

Sigmar Gabriel
Bild: Medientage München

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Meckel ist eine von 450 Referenten, die bei dem Treffen in der bayerischen Landeshauptstadt noch bis Freitag diskutieren. Unter dem Leitthema "Digitale Disruption - Medienzukunft erfolgreich gestalten" sind 90 Veranstaltungen geplant. 6000 Teilnehmer werden erwartet. Online-Werbeblocker benutzen bereits 150 bis 200 Millionen Menschen, erklärte Meckel. Die Verbraucher müssten unaufdringlicher, intelligenter und passgenauer angesprochen werden, forderte sie. Nur dann könne sich guter Journalismus im Netz auch durch Werbung finanzieren.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte gleichzeitig vor den kritischen Seiten der Werbung und die Macht der Mediaagenturen. "Die fünf größten Mediaagenturen erwirtschaften 80 Prozent des Umsatzes." Befürchtet werde daher von manchem, dass Medien in eine Abhängigkeit geraten könnten, die sich auch auf das redaktionelle Programm auswirke.

Gabriel empfahl den Medien, bei der Vermarktung von Werberaum stärker zusammenzuarbeiten und damit ihre Verhandlungsposition zu stärken. Werbekunden sollten sich zudem wieder stärker selbst um den Einkauf von Werbeplätzen kümmern.

Durch die traditionelle Eröffnungsdiskussion mit Medienschaffenden führte TV-Entertainer Thomas Gottschalk, der, wie er bekannte, auch mal Teil einer "medialen Disruption", der schöpferischen Zerstörung, gewesen sei, weil er eigentlich habe Radio machen wollen und dann zum immer stärker werdenden Medium Fernsehen gewechselt sei. Er sei Nutznießer dieses Wandels gewesen - mit dem Unterschied, "dass junge medienschaffende Menschen heute schlaflos ins Bett" gingen, weil sie nicht wüssten, wie es morgen weitergehe.

ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Wolfgang Link sagte, dass der digitale Wandel in seinem Unternehmen angekommen sei. Die Zahl jüngerer Zuschauer sei zwar leicht rückläufig. Er glaube dennoch weiter an das lineare TV, sein Unternehmen produziere auch für neue Mitbewerber, die mit ihren Video-Plattformen auf dem Markt seien.

Auch Carsten Schmidt, Vorstandschef von Sky Deutschland, setzt auf das TV. In einem Gespräch mit Studenten habe er gesehen, dass 80 bis 90 Prozent weiter den Fernseher nutzten, führte er an.

Die Medienbranche im Ganzen kann sich derzeit über Wachstum nicht beklagen. Fernsehen, Internet und Radio überschreiten in Deutschland in diesem Jahr eine magische Umsatzgrenze. Ihre Erlöse aus Werbung und Bezahlinhalten summieren sich auf 10,2 Milliarden Euro - die Beitragseinnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht einbezogen, wie eine Befragung des Orivatverbands VPRT unter seinen Mitgliedern ergab.Fernsehen spielt mit 4,4 Milliarden Euro (plus 2,5 Prozent) nach wie vor die führende Rolle. Die Umsätze aus Werbung und bezahlten Inhalten im Internet (nicht-mobil und mobil) nehmen laut VPRT um 2,4 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Leichtes Wachstum verzeichnet der Sektor Hörfunk, der auf 750 Millionen Euro nach 740 Millionen im Vorjahr taxiert wird.

Die Chefin der "Wirtschaftswoche" Meckel brach dennoch eine Lanze für die klassischen Medien. "Wir brauchen sie auch künftig als Instanz, um die Finger in die Wunden zu legen", sagte die Journalistin. dpa

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