Michelle Obama bei Carpool Karaoke Die perfekte mediale Inszenierung der First Lady

Donnerstag, 21. Juli 2016
Michelle Obama spielte mit James Corden "Carpool Karaoke"
Michelle Obama spielte mit James Corden "Carpool Karaoke"
Foto: CBS / Screenshot Youtube

In den USA herrschen in der Politik etwas andere Spielregeln als bei uns: Eventisierung und Entertainment spielen bei der medialen Inszenierung eine große Rolle. Bester Beweis: Der Auftritt von First Lady Michelle Obama in einer US-Show.
"Carpool Karaoke" ist ein fester Bestandteil der "Late Late Show", die montags bis freitags auf dem Sender CBS ausgestrahlt wird. Normalerweise lädt Gastgeber James Corden dabei Größen aus Musik, Film oder Showbiz in seinen SUV, um ein wenig durch die Stadt zu kurven und dabei die Lieblings-Hits seiner Gäste oder andere populäre Songs zu schmettern. Ob Adele, Gwen Stefani oder die Red Hot Chili Peppers: Sie alle setzten sich zu Corden ins Auto - und bescheren ihm und seinem Sender teilweise phänomenale Klickzahlen im Netz. Diesmal jedoch hat sich der 37-jährige Brite ein ganz besonderes Kaliber eingeladen: Niemand Geringeres als Michelle Obama, Ehefrau des US-Präsidenten Barack Obama, hat sich auf den Beifahrersitz des schwarzen Geländewagens gewagt. Gemeinsam mit der FLOTUS ("First Lady of the United States") fährt Corden um das Weiße Haus in Washington herum - und kommt mit der 52-Jährigen ins Plaudern. Sie berichtet vom Alltag im Weißen Haus (ihr Codename beim Secret Service sei "Renessaince", "Renegade" der ihres Mannes), erklärt, warum sie auf Snapchat ist - und groovt und singt mit dem Gastgeber zu Hits wie Stevie Wonders "Signed Sealed Delivered I'm Yours" oder "Single Ladies" von Beyoncé. Und schließlich kommt - wie so oft bei Carpool Karaoke - noch ein Überraschungsgast ins Auto.
Auch wenn das Video bei Youtube noch nicht auf die ganz großen Viewzahlen kommt: Michelle Obama dürfte von dem Auftritt insofern profitieren, als dass sie sehr sympathisch rüberkommt. Sie gibt den Amerikanern jedenfalls genügend Grund, sie zu vermissen: Noch in diesem Jahr wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, Präsidentschaftskandidatin seiner demokratischen Partei wird Hillary Clinton.

Diese mediale Inszenierung hat natürlich System: Wenn Gerhard Schröder bei uns einst als "Medienkanzler" tituliert wurde, weil er sehr auf öffentlichkeitswirksame Auftritte bedacht war, ist Barack Obama sicherlich so etwas wie ein "Medienpräsident". Bei mehr als einer Gelegenheit gab er sich nicht wie ein Staatenlenker, sondern eher als Standup-Comedian, wie zuletzt beim White House Correspondents Diner, als er eine sehr humorvolle Rede hielt, die es anschließend zum Klick-Hit im Netz brachte. 
Dass Michelle Obama ihrem Ehemann in ihrem öffentlichen Auftreten in nichts nachstehen will, versteht sich von selbst - zumal US-Medien nach außergewöhnlichen Auftritten ihrer Top-Politiker lechzen. Bald gibt es davon möglicherweise noch mehr, sollte Donald Trump wirklich US-Präsident werden. Der republikanische Kandidat auf die Präsidentschaft weiß sich ebenfall gut in Szene zu setzen - auch wenn sein Auftreten nicht jedermanns Sache ist. Ob Corden ihn wohl auch in sein Auto lassen würde? ire
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