Merkel auf dem Klo "Charlie Hebdo" provoziert zum Deutschlandstart

Mittwoch, 30. November 2016
"Charlie Hebdo" erscheint nun auch auf deutsch
"Charlie Hebdo" erscheint nun auch auf deutsch
Foto: twitter.com/philipoltermann

Konkurrenz für die "Titanic": Am 1. Dezember erscheint die erste deutsche Ausgabe des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" in einer Druckauflage von 200.000 Exemplaren. Das Heft soll Verlagsangaben zufolge überall in Deutschland erhältlich sein und vier Euro kosten. Zum Start haben die Macher eine Werbeanzeige geschaltet, die zeigt, worauf sich die Leser hierzulande einstellen können.
Auf dem Motiv sieht man eine Karikatur von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Klo, dabei hält sie eine Ausgabe von "Charlie Hebdo" in den Händen. Darunter steht die Textzeile: "Wirkt befreiend". Philip Oltermann, Leiter des Berliner "Guardian"-Büros, hat die Anzeige entdeckt und getwittert. 
Auch die Titelseite der ersten Ausgabe soll Merkel zeigen: Laut dpa nehmen die Satiriker die erneute Kanzlerkandidatur der CDU-Chefin aufs Korn. Eine Karikatur zeigt die Kanzlerin auf einer Wartungsrampe liegend, während ein Werkstattmitarbeiter ein Ersatzteil bringt und sagt: "Ein neuer Auspuff und es geht noch 4 Jahre weiter." Als Titelschlagzeile steht daneben: "VW steht hinter Merkel." Dass "Charlie Hebdo" nach Deutschland kommt, ist seit gut einer Woche bekannt. Die deutsche Ausgabe soll wöchentlich erscheinen und 16 Seiten haben - wie die französische Ausgabe auch. "Charlie freut sich ankündigen zu dürfen, dass die Sprachbarriere für unseren Humor jenseits des Rheins kein Hindernis mehr darstellt", wie die Redaktion auf der französischen Website des Magazins sowie auf Facebook erklärt.
Die deutsche "Charlie Hebdo" soll demnach größtenteils aus Texten und Zeichnungen bestehen, die aus der französischen Fassung übersetzt wurden. Allerdings soll die deutsche Ausgabe auch durch exklusive Inhalte ergänzt werdenZudem sei in Zukuft auch die Zusammenarbeit mit deutschen Satirikern gewünscht. Gesteuert wird das Projekt laut der dpa von einer deutschen Chefredakteurin, die aus Sicherheitsgründen unter Pseudonym "Minka Schneider" arbeitet.
Je suis Charlie
Bild: Screenshot Twitter

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#JesuisCharlie Welle der Solidarität mit "Charlie Hebdo"

Dafür gibt es - leider - gute Gründe: "Charlie Hebdo" war am 7. Januar 2015 von islamistischen Attentätern angegriffen worden. Dabei wurden zwölf Menschen ermordet, darunter die Zeichner Cabu und Wolinski. Als Reaktion auf die Attacke gab es weltweit Solidaritätsbekundungen unter dem Slogan "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie). Knapp zwei Jahre nach dem Anschlag entsteht "Charlie Hebdo" weiterhin an einem geheimen Ort und unter strengem Polizeischutz.

Die Reaktionen aus Deutschland auf den Anschlag sind der Redaktion zufolge ein Grund, weshalb man nun eine deutsche Ausgabe produziert: "Wir haben Deutschland gewählt, da wir bei Veranstaltungen hier so warm willkommen geheißen wurden." Hier habe sich auch die "Nummer der Überlebenden", die eine Woche nach den Attentaten erschien, mit 70.000 Exemplaren am besten verkauft. "Jede Woche lesen eintausend unserer deutschen Nachbarn die Zeitschrift im O-Ton. Und deswegen freuen wir uns so auf Euch!" ire
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