"Meinung. Haltung. Schwarz-Weiß" Stefan Schmidt liest... HORIZONT

Montag, 26. August 2013
Das Cover der Jubiläumsausgabe zu 30 Jahren HORIZONT
Das Cover der Jubiläumsausgabe zu 30 Jahren HORIZONT

Für gewöhnlich nimmt sich die HORIZONT-Redaktion Woche für Woche eine Zeitung oder Zeitschrift vor, um sie einer subjektiven kritischen Betrachtung zu unterziehen. Ob Layout, Inhalte oder Copypreis - bei "HORIZONT liest..." wird alles auf Herz und Nieren geprüft. Nun drehen wir den Spieß ausnahmsweise um: Anlässlich unseres 30. Geburtstag haben wir einen externen Blattkritiker um seine Meinung zu HORIZONT gefragt. Stefan Schmidt, Mitgründer und -inhaber der Berliner Kreativagentur Dieckertschmidt, hat sich die Jubiläumsausgabe vom vergangenen Donnerstag zur Brust genommen und seine Erkenntnisse aufgeschrieben. "Während der Mega-Deal OmniPubs beim Kartellamt liegt und auf Klärung wartet, geht in der hiesigen Werbewelt natürlich alles weiter seinen bewährten Gang. Media-Agentur wechselt Spitze aus, ein Cool-Tech-Rasierer versucht die 3-Klingen anzugreifen und man rätselt, ob Lothar Leonhardt es doch noch ein bisschen länger macht. Da gerade die letzte Frage (wobei schon fast egal ist, WAS er vielleicht länger macht) seit gefühlt 30 Jahren eine Meldung wert ist, macht es Sinn, dass sie auch im 30 Jahre Horizont-Heft gestellt wird.

Inhalt

Alles, was die Werbe-Media-Marketing-Branche umtreibt, wird Woche für Woche im Horizont behandelt. Mit großem Fachwissen, viel Hintergrundwissen, und - und das ist Gott-sei-Dank in den letzten Jahren viel besser geworden - mit einer klaren, kritischen Meinung. Unter den (viel-zu-vielen) Werbe-Fach-Zeitungen in Deutschland ist der Horizont deshalb die angelsächsischste. Meinung. Haltung. Schwarz-Weiß, auch wenn s mal Hiebe gibt.

"Jeder findet bestimmt eine Perle, die es Wert ist, am Wochenende gelesen zu werden."
"Jeder findet bestimmt eine Perle, die es Wert ist, am Wochenende gelesen zu werden."

Das aktuelle Heft

Hier wird der große Wurf versucht. 200 Seiten, rund 8 Kilo Papier, jede Menge befragter Fachleute versuchen, die letzten 30 Jahre unserer Branche zu fassen zu kriegen. Was war ihr schlimmster Pitch, wie weit haben Alt-Werber wie Jacoby und von Matt mit ihren Vorhersagen daneben gelegen, welche Arbeit prägte welches Jahrzehnt. Rückblick, Ausblick, Rundum-Blick. Sowas ist ja nie ganz einfach. Da kann man eigentlich nur verlieren. Denn jeder von uns hätte noch andere Leute gefragt oder andere Arbeiten als Meilensteine präsentiert. Und die großen Themen - stirbt Print?, was ist der Kreativ-Trend für die nächsten 5 Jahre?, macht Lothar Leonhardt nochmals weiter? - werden eh jede Woche behandelt, deshalb scheinen sie hier im 30 Jahre Heft nicht ganz so aufregend. Aber trotzdem: jeder findet bestimmt eine Perle, die es Wert ist, am Wochenende gelesen zu werden. Was für einen die 10 größten Irrtümer sind, ist für den nächsten Florian Grimms Phantasie über Pferde liebende Hunde. Für mich ist es die Zukunftsvision, dass Eintracht Frankfurt 2026 Deutscher Meister wird.

Großartig ist, dass des Horizonts Gier auf Morgen so stark war, dass jedes Buch des Heftes (Print, Digital, Agenturen, Marketing, etc.) mit einem Status Quo und einer Auseinandersetzung über die Zukunft beginnt. Das zeigt, dass das 30-Jahre-Heft eben nicht bloß ein konventioneller Rückblick ist, sondern viel mehr eine Bestandsaufnahme gepaart mit hibbeliger Neugierde auf das nächste Jahrzehnt. Das Einzige, was konventionell an diesem Heft ist, sind die Anzeigen. Fast ausnahmslos 1/1, mit üblichen Sprüchlein zum Jubiläum. Zwei Agenturen kamen sogar auf die gleiche pfiffige Line: 30 Jahre und nur eine Falte. (gedruckt auf die Falz in der Heftmitte) Nun ja. Mundabbutzen. Weitermachen!

Zielgruppe

Hier gelingt der Rund-um-Schlag. Alle, wirklich ALLE blättern durch dieses Heft. Und dabei erkennen wir, alles bleibt anders. Wir schwimmen alle im river of constant change (Peter Gabriel) und suchen doch immer nach dem einen Ding: der Idee, die einer Marke hilft, höflich, charmant, ehrlich und mit tiefem Gefühl mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten.

Facts

Horizont gibt es nur im Abonnement, hat einen Copypreis von 6,90 Euro und erscheint wöchentlich, um uns zu loben, zu ärgern, anzustacheln und daran zu erinnern, dass man hart arbeiten muss und ein wenig Glück braucht, wenn man es in die 50 Jahre Ausgabe schaffen will." Stefan Schmidt

Der Kritiker

Der Kritiker
Stefan Oliver Schmidt stand von 2002 bis 2011 gemeinsam mit seinem heutigen Agenturpartner Kurt Georg Dieckert an der Spitze der Kreation von TBWA Deutschland. Schmidt leitete dabei seit 2010 europäische Projekte der Omnicom-Tochter, unter anderem für Kunden wie McDonald’s. Anfang 2012 machten sich Schmidt und Dieckert mit einer eigenen Agentur in Berlin selbstständig. Zu ihren Kunden zählen Adidas, Grohe und Mercedes-Benz Lkw.

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