"Mein lieber Scholli" Die Medienschelte des Peer Steinbrück

Mittwoch, 20. November 2013
Im Wahlkampf ließ sich Steinbrück für das "SZ Magazin" ablichten (Foto: Alfred Steffen)
Im Wahlkampf ließ sich Steinbrück für das "SZ Magazin" ablichten (Foto: Alfred Steffen)

Der Bundestagswahlkampf liegt bereits mehrere Monate zurück, Peer Steinbrück und seine SPD mussten sich am Ende klar Angela Merkels CDU geschlagen geben. Doch der Wahlmarathon wirkt bei dem sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten immer noch nach: Gegenüber der "Zeit" ließ Steinbrück sich darüber aus, wie schlecht ihn die Medien im Wahlkampf behandelt hätten. "Das werde ich so schnell nicht vergessen", gab Steinbrück in dem Gespräch zu Protokoll, aus dem die Wochenzeitung Auszüge als Vorabmeldung verschickte. Der Höhepunkt der Medienschlacht sei für ihn erreicht gewesen als "zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli!" Zwar sei der alte Spruch richtig: Wer keine Hitze vertrage, dürfe nicht in die Küche gehen. "Aber das entlastet uns nicht davon, darüber zu reden, wo Grenzen überschritten werden."

Steinbrück bot seinen Kritikern allerdings auch jede Menge Angriffsfläche - man denke nur an seinen unglücklichen Ausflug auf den bayerischen Berg Lusen oder den umstrittenen Stinkefinger auf dem Cover des "SZ Magazins". Wahrscheinlich fiel dies aber genau unter jene "Nebensächlichkeiten", auf die sich die Medien seiner Meinung nach gestürzt hätten, statt Politisches in den Fokus zu rücken. "Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen und stattdessen Nebensächlichkeiten hochzujazzen", so Steinbrück. Der folgende Satz verwundert noch mehr, kommt er doch von einem Politiker, der die Mechanismen des Mediengeschäfts schon seit Jahren kennt: "Es gibt doch tatsächlich einen Journalismus, der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert."

Dennoch habe sich für ihn persönlich die Kanzlerkandidatur gelohnt, "weil es eine einmalige Erfahrung ist, eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen in ihrem Leben machen. Diese Einmaligkeit bleibt als Qualität für sich stehen." ire
Meist gelesen
stats