Mega-Deal Deutsche Telekom forciert Verkauf von T-Online

Montag, 13. April 2015
Die Telekom will angeblich ihr Portal T-Online loswerden
Die Telekom will angeblich ihr Portal T-Online loswerden
Foto: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom macht mit dem Verkauf ihres Internetportals T-Online offenbar ernst. Nach "Spiegel"-Informationen hat der Bonner Konzern dazu die französische Großbank BNP Paribas mit der Suche nach einem Käufer beauftragt.
Dem Bericht zufolge soll bis zum Frühsommer eine Entscheidung über T-Online fallen. Das Portal, das im März mit 444 Millionen Visits erneut stärkstes Online-Angebot Deutschlands war, werde derzeit aus dem Konzern ausgegründet. Auch der T-Online-Vermarkter Interactive Media steht dem Vernehmen nach zum Verkauf. Die Telekom wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Bereits im Dezember gab es erste Medienberichte, denen zufolge die Telekom den Verkauf von Deutschlands reichweitenstärksten Internetangebot plant.
Deutsche Telekom
Bild: Foto: DTAG

Mehr zum Thema

Deutsche Telekom Geplatzte Digitalträume - oder die Innovationen der anderen

Als potenzieller Käufer wurde damals Axel Springer gehandelt. Der Medienkonzern gilt auch jetzt als einer der möglichen Käufer. In Teilen der Telekom-Belegschaft werde wegen der inzwischen beendeten Kooperation von Bild.de mit T-Online.de vor einigen Jahren ein Verkauf an den MDax-Konzern jedoch kritisch gesehen, heißt es. Was potenzielle Käufer abschrecken könnte ist, dass die Telekom offenbar sehr genaue Vorstellungen über den Schutz ihrer Marke T-Online hat. Wie der "Spiegel" aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, wird zudem über Verträge die weitere Zusammenarbeit mit der derzeitigen Mutter geregelt. Ein Käufer habe demnach nur geringen Spielraum.

Hintergrund der Verkaufspläne ist ein Strategiewechsel der Telekom, die sich künftig vor allem auf den Netzausbau und die Entwicklung netznaher Dienste wie Router konzentrieren will. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte in diesem Zusammenhang im Herbst 2014 beschlossen, die Innovationsabteilung massiv eindampfen und auf die Entwicklung eigener digitaler Produkte für den Massenmarkt zu verzichten. Stattdessen will Höttges auf Partnerschaften setzen, wie sie der Konzern unter anderem mit Netflix vereinbart hat. Peitscht Höttges diese Strategie konsequent durch, dann ist für ein Portal wie T-Online mit dem dazugehörigen Vermarktungsgeschäft möglicherweise kein Platz mehr im Konzern. Wobei ein Verkauf auch mit erheblichen Risiken verbunden ist. Denn T-Online  ist mit seinen vielen Millionen E-Mail-Kunden auch ein wichtiger Kanal für die Kundenansprache. Vor diesem Hintergrund wäre es nur logisch, wenn die Telekom von einem Käufer Zugeständnisse und eine weitere Zusammenarbeit erwartet.

Wie geht es nun weiter? Laut "Spiegel" soll zunächst ein 30-seitiger Verkaufsprospekt an zehn Interessenten verschickt werden, eine finanzielle Bewertung des Portals samt des zugehörigen Onlinevermarkters Interactive Media werde Bietern ebenfalls zur Verfügung gestellt. Früheren Angaben zufolge erwirtschaftet T-Online rund 100 Millionen Euro Umsatz und einen ein- bis zweistelligen Millionengewinn. mas/dpa
Meist gelesen
stats