Medientage München "Wir müssen zum Publikum gehen, auch wenn's manchmal weh tut"

Dienstag, 25. Oktober 2016
Stefan Plöchinger, Laura Himmelreich und Armin Wolf (v.l.)
Stefan Plöchinger, Laura Himmelreich und Armin Wolf (v.l.)
Foto: Medientage München

Das Publikum, das unbekannte Wesen: Mit der zunehmenden Fragmentierung der Medienlandschaft wird es auch für etablierte Medienmarken schwieriger, ihr Publikum zu erreichen. Soziale Medien spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. "Wenn man die Menschen erreichen will, muss man auf Facebook sein", betonte Armin Wolf bei den Medientagen München.

Für den stellvertretenden Chefredakteur TV-Information des ORF steht fest, dass man im Zeitalter der digitalen Medien nicht mehr darauf warten kann, dass das Publikum aus alter Gewohnheit etablierte Sender wie den ORF einschaltet. Man müsse heute auch in den sozialen Netzwerken um sein Publikum werben – das gelte vor allem für die sogenannten Qualitätsmedien, die Wolf in Anlehnung an die Unterscheidung zwischen U- und E-Musik als "E-Medien" bezeichnete: "Wir müssen das Publikum zu seriösem Journalismus verführen", so die Überzeugung des Moderators. "Wenn das Publikum nicht mehr zu uns kommt, müssen wir zum Publikum gehen, auch wenn’s manchmal weh tut."

Auch Florian Hager, Programmgeschäftsführer des Jungen Angebots Funk von ARD und ZDF betonte die Rolle der digitalen Plattformen: "Wir müssen dahin, wo die Nutzer sind." Während Funk in Ermangelung eines klassischen TV-Kanals keine andere Wahl hat, als den Nutzerströmen im Netz zu folgen, dienen die soziale Medien für Wolfgang Link mehr zur Verlängerung der klassischen Sendermarken ins Netz. "Wir erreichen das junge Publikum nach wie vor mit unseren Sendern", betonte der Vorsitzender der Geschäftsführung von Pro Sieben Sat 1 TV.

Für Laura Himmelreich stehen die Inhalte im Mittelpunkt: "Wir denken nicht in Kanälen, sondern in Geschichten" so die Chefredakteurin von Vice.com in Deutschland. "Der journalistische Ansatz muss im Fokus stehen", ist die Absolventin der Henri-Nannen-Schule überzeugt. "Wir überlegen uns zuerst die Geschichte und nicht, wie wir sie auf Instagram verpacken."

Auch für Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Süddeutsche.de, sind die sozialen Medien vor allem Mittel zum Zweck: "Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen, die schlauer werden wollen." Er sieht in der zunehmenden Fragmentierung der Mediennutzung nicht nur ein journalistisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem: "Gesellschaftliche Debatten anzustoßen, ist heute schwierig. Wir müssen die Kanäle so nutzen, dass wir wieder einen gesellschaftlichen Mehrwert stiften", forderte Plöchinger. dh

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