Medientage München Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter liest TV die Leviten

Dienstag, 24. Oktober 2017
Hannes Ametsreiter: "Der jetzige TV-Markt wird aufgebrochen"
Hannes Ametsreiter: "Der jetzige TV-Markt wird aufgebrochen"
© Vodafone Deutschland

Ein eigenes Startup-Programm, eine neue App, ein internationaleres Kongressprogramm und ein neuer Chef (Stefan Sutor): Vieles ist neu bei den Medientagen München, aber das Überraschendste ist am Dienstagmorgen doch der Ton, in dem die dreitägige Branchenveranstaltung eröffnet wird. Das klassische Fernsehen, so wie wir es heute kennen, stehe vor dem Ende, prognostiziert Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland: "Lassen Sie sich nicht länger von 220 Minuten täglicher Sehdauer einlullen. Das angeblich zentrale Leitmedium steckt mitten im Umbruch."
In seiner Eröffnungskeynote skizziert der Deutschlandchef eines der weltweit größten Kommunikationskonzerne den Weg in eine Gigabitgesellschaft, in der der künftige Mobilfunkstandard 5G (mit bis zu zehnmal schnelleren Ladezeiten als 4G/LTE) neue Maßstäbe setzen soll. Mit spürbaren Konsequenzen für die Medien: "Aktuell ist der TV-Markt noch stabil, scheinbar gibt es keine Veränderungen. Aber unter der Kruste brodelt es gewaltig, als würde eine Lava ihren Durchbruch suchen", so Ametsreiter. Der Großteil der heranwachsenden Generation schaue schon jetzt kein lineares Fernsehen mehr, sondern wolle lieber mit Diensten wie Youtube und Netflix selbst zum Programmdirektor werden. Das alles sei nicht neu, "die Frage ist nur, warum werden wir nicht klüger?" Ametsreiter appelliert an die versammelte Branche, den Zuschauern größtmögliche Freiheit im Konsum von Inhalten zu ermöglichen und eine bestmögliche Customer Experience zu schaffen. "Jeder von uns sollte seine Angebote so gestalten, dass sie für den Kunden so bequem wie möglich sind. Hier haben wir noch viel zu tun", so der Vodafone-Manager weiter. Auch bei der Verfügbarkeit von Inhalten über alle Geräte und Zeiten hinweg gebe es noch Nachholbedarf in Deutschland. Wichtig sei, die starke industrielle Basis des Landes stärker als bislang zusammenzubringen.

Bewegtbildgipfel 2017:

Um TV-Vermarktung, Content-Produktion, Mediennutzung, Programmatic Creation, Streaming-Dienste, Reichweiten, Influencer Marketing und die künftige Verteilung der Werbespendings geht es auch beim Bewegtbildgipfel 2017, den HORIZONT am 21. und 22. November in Düsseldorf ausrichtet. Mehr Informationen und Tickets gibt es hier

Ametsreiter nimmt auch sein Unternehmen in die Pflicht. Für Vodafone führt Videostreaming vor allem zu einer weiteren Datenexplosion ("Video wird demnächst 80 Prozent der Handynutzung bestimmen"), für die man Infrastruktur auf- und ausbauen müsse. Gerade, wenn das selbstfahrende Auto das "Fernsehzimmer der Zukunft" sei, müsse ein Unternehmen wie Vodafone gewährleisten können, dass Content-Konsum in jeglicher Form über das Mobilfunknetz möglich wird. kan
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