Medientage München VPRT fordert eigene Regulierung für Radio

Donnerstag, 17. Oktober 2013
Klaus Schunk (r.) forderte einen Hörfunk-Staatsvertrag
Klaus Schunk (r.) forderte einen Hörfunk-Staatsvertrag


Klaus Schunk, im Verband privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) für Radio verantwortlich, fordert eine eigene Regulierung für die Gattung. Bislang werden Radio und Fernsehen gemeinsam im Rundfunkstaatsvertrag von den Bundesländern reguliert. Häufig divergieren die Interessen und Bedürfnisse der beiden Gattungen jedoch. "Radio braucht dringend eigenständige Regeln jenseits von TV", sagte Schunk auf den Medientagen München.
"Ich werbe für einen eigenständigen Radiostaatsvertrag und zumindest dafür, dass Radio eigenständig im Rundfunkstaatsvertrag berücksichtigt wird", so Schunk, der hauptamtlich Geschäftsführer von Radio Regenbogen ist.

Große Hoffnungen auf eine baldige Neuregelung von Radio dämpfte jedoch Björn Böhning, Staatssekretär und Chef der Senatskanzlei in Berlin. Zwar hält auch er es für wichtig, dass extra Radio-Regeln geschaffen werden, doch die Voraussetzungen bis Mitte 2014 zu schaffen, wenn der nächste Rundfunkänderungsstaatsvertrag ansteht, sei unwahrscheinlich. Bei diesem Staatsvertrag soll das Thema Jugendkanal und Digitalsender der ARD entschieden werden. Auf Länderebene, die für die Rundfunkregulierung zuständig sind, sei jedoch vereinbart worden, dass man sich mit den Radioleuten zusammensetzt.

Schunk forderte außerdem den öffentlich-rechtlichen Sendern bei ihren Webchannel-Angeboten genauer auf die Finger zu schauen. Dabei bekam er Unterstützung von Wolf-Dieter Ring, Mitglied der Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft". "Ich rätsele wie manche Webchannels durch die Gremien gegangen sind", so Ring. Als Beispiel nannte er die Angebote Jump Rock Channel und Jump Piraten Channel des MDR. "Das sind Inhalte, von denen ich annehme, dass sie Nachahmungen privater Programme sind", so Ring.

Während weitere TV-Angebote der gebührenfinanzierten Sender mittels Drei-Stufen-Test daraufhin überprüft werden, ob sie das Angebot ergänzen und im Einklang mit dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender auf Grundversorgung stehen, fänden bei Webchannels kaum Prüfungen durch die Politik statt, kritisierten Schunk und Ring. "Der eigentliche Skandal ist nicht, dass das passiert, sondern dass die Politik die Augen davor verschließt", so Schunk. pap
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