Medientage München Big Data und Verlage: "Die richtige Information zur richtigen Zeit"

Freitag, 24. Oktober 2014
Johannes Rohde (r.) ist Leiter Unternehmensentwicklung bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
Johannes Rohde (r.) ist Leiter Unternehmensentwicklung bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
Foto: Foto: Medientage München

Die gesamte Kommunikationsbranche spricht über Big Data - doch das Potenzial des nicht mehr ganz so neuen Buzzwords wird noch immer viel zu wenig genutzt. 
So wächst auf der einen Seite das verarbeitete Datenvolumen jährlich um mehr als 50 Prozent, auf der anderen Seite werden nur 0,5 Prozent der dabei gesammelten Informationen auch wirklich in neue Geschäftsmodelle überführt. Zumindest in Osnabrück soll das bald anders werden. Bei den Medientagen München erklärte Johannes Rohde, Leiter Unternehmensentwicklung bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ), wie Verlage die Ideen, die große Player wie Google und Amazon in den deutschen Markt bringen, nutzen können.
„Wem die Götter schaden wollen, dem schenken sie 30 Jahre Erfolg. Bei den Tageszeitungen waren es 60 Jahre.“
Johannes Rohde
"Wem die Götter schaden wollen, dem schenken sie 30 Jahre Erfolg. Bei den Tageszeitungen waren es 60 Jahre - und genau deshalb tun wir uns heute auch so schwer": Mit diesem Zitat bestätigte Rohde am Donnerstag das Dilemma, das vor ihm bereits Marc Ziegler, Head of Digital Business bei Goetzpartners, aufgezeigt hatte. Dessen Beratungsunternehmen hat in einer Studie zwei Blickwinkel ausgemacht, mit denen Verlage Big Data wahrnehmen: entweder als Angriff auf die jeweils eigene Datensouveränität - oder als Chance mit signifikantem Einfluss auf das Geschäft. Letztere nicht zu nutzen, sei gefährlich, denn: "Es reicht heutzutage nicht mehr aus, nur guten Content zu produzieren." Laut Ziegler belegt die Studie stattdessen, dass Verlage, die Big-Data-Technologien zur Prozessverbesserung und zur Erweiterung ihres Produktportfolios nutzen, auch erfolgreicher sind.

Eine Aussage, die "NOZ"-Mann Rohde unterstreicht, ohne den notwendigen Prozess des Umdenkens gerade bei einer regionalen Tageszeitung zu verschweigen. Zuallererst habe man in Osnabrück deshalb auch in eine neue Unternehmenskultur investiert. Im Folgenden erst ging es um Automatisierung im Marketing, um Begriffe wie Business Intelligence und Analysen von Kohorten. "Der E-Commerce ist einer der am weitesten entwickelten Bereiche im Internet", so Rohde weiter. "Jetzt müssen wir schauen, was wir daraus für unsere Kernprodukte ableiten können." Ziel müsse sein, dem Leser "die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Kontext" zur Verfügung zu stellen.

In Osnabrück probiert man dies aktuell durch eine Kombination aus einer Sortierung von Inhalten, beispielsweise nach Themen oder Geografie, und den Bewegungsdaten der User. "Auf unserer Website sieht heute noch jeder Nutzer dasselbe. Morgen sieht im Idealfall jeder User auch andere Inhalte - nämlich die, die für ihn am relevantesten sind." Aktuell versuche man so vor allem, die Nutzung der Tageszeitung digital zu optimieren. Für Werbung werden die Daten laut Rohde momentan noch nicht genutzt. kl
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