Medientage München Bauchgefühl bleibt im TV trotz Big Data unverzichtbar

Mittwoch, 26. Oktober 2016
Die Teilnehmer des TV-Gipfels der Medientage München
Die Teilnehmer des TV-Gipfels der Medientage München
Foto: Medientage München

Big Data hat auch bei den TV-Sendern längst Einzug gehalten, zum Beispiel in der Programmplanung. Allerdings bleibt ein gutes Bauchgefühl für Fernsehmacher unverzichtbar. Darin waren sich die Teilnehmer des TV-Gipfels bei den Medientagen München einig.

"Datenanalyse ist Pflicht", betonte zum Beispiel Jens-Uwe Bornemann, bei der RTL-Group-Tochter Fremantle Media verantwortlich für digitale Produktionen. Die richtigen Inhalte für die jeweiligen Plattformen zu produzieren, bleibe allerdings die Kür für Produzenten: "Wenn man nur datengetrieben produzieren würde, würde es kein 'Breaking Bad' geben."

Auch Dan Maag, CEO der Produktionsfirma Pantaleon, hält künstlerischen Instinkt für unverzichtbar. Das gelte auch für technisch getriebene Unternehmen wie Amazon, für die Pantaleon gerade die erste deutsche Serie "You are wanted" mit Matthias Schweighöfer produziert. "Amazon hat auch ein ganz gutes Bauchgefühl", so die Wahrnehmung des Produzenten. Amazon muss im Gegensatz zu klassischen TV-Sendern auf bestimmte Konventionen zudem keine Rücksicht nehmen: "Wir können etwas mutiger sein als ein Sender, der eine Serie für einen ganz bestimmten Sendeplatz produziert", betonte Christoph Schneider, Deutschlandchef von Amazon Prime Video.
„Wenn man nur datengetrieben produzieren würde, würde es kein ‚Breaking Bad` geben.“
Jens-Uwe Bornemann
Die Vielfalt der neuen digitalen Plattformen stellt dabei sowohl die Produzenten als auch die Plattformbetreiber vor neue Herausforderungen – Stichwort Auffindbarkeit. "Das ist heute das Kernthema: Wie kommt man zum Zuschauer?", sagte Schauspieler und Produzent Kai Wiesinger, der die Webserie "Der Lack ist ab" produziert hat, die unter anderem von Vodafone und Opel unterstützt wurde. Aus Sicht des Schauspielers beeinflusst die jeweilige Plattform auch die Rezeptionshaltung des Zuschauers. "Youtube ist wie ein Flohmarkt. Wenn ich Glück habe, finde ich was Schönes. Amazon ist dagegen wie das Kadewe."

Gerade bei digitalen Plattformen könne zu viel Big Data auch hinderlich sein, zum Beispiel bei den automatisierten Empfehlungen für Zuschauer: "Man will ja auch mal überrascht werden und nicht immer das gleiche sehen", so Fremantle-Manager Bornemann. dh

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