Medientage München "Abendzeitungs"-Verleger Balle verspricht allen Mitarbeitern unbefristete Jobs

Donnerstag, 23. Oktober 2014
Martin Balle, Laurence Mehl, Bascha Mika
Martin Balle, Laurence Mehl, Bascha Mika
Foto: Foto: Medientage München

Bestenfalls lässt man sich mit Weihnachtsgeschenken nicht bis zum 23. Dezember Zeit. So wie Martin Balle, seit Sommer dieses Jahres nicht nur Verleger des "Straubinger Tagblatts", sondern auch der Münchner "Abendzeitung".

 "Ich weiß, dass ich Ende des Jahres alle Mitarbeiter der Abendzeitung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernehmen kann", sagte Balle bei den Medientagen München - "das wollte ich zwar erst an Weihnachten verkünden, aber in dieser Runde passt es gerade auch gut". Im Publishing-Gipfel bat der Zeitungsmacher zudem um Geduld bei der Rettung des angeschlagenen Münchner Traditionstitels: "Wenn man alles völlig neu machen muss, geht das nicht in vier Monaten." 

Was in ein paar Monaten (oder Jahren) auch nicht geht, ist es offenbar, eine Frage auf die Antwort nach journalistischen Geschäfts- und Erfolgsmodellen in digitalen Zeiten zu finden. Eine psychologische Erklärung für die tiefgreifenden Veränderungen, die die Medienbranche umkrempeln, hatte am Donnerstag zumindest Diplom-Psychologe Jens Lönneker, Gründer des Rheingold Salon, parat. Seit 100 Jahren sei eine zunehmende Psychologisierung der Gesellschaft zu beobachten, doch heute bekämen emotionale und private Themen immer mehr Macht in der Öffentlichkeit.

Medientage München 2014
Bild: Foto: Medientage München

Mehr zum Thema

Medientage München Das große Special

Zu beobachten sei das an der unterschiedlichen Nutzung von Online-Inhalten: "Menschen suchen emotionale Themen mehr als andere, sodass sich auf vielen Plattformen mittlerweile privater mit öffentlichem Inhalt vermischt." Dadurch bekomme das Individuum zwar mehr Macht, andererseits müsse die Gesellschaft auch neu lernen, was öffentlich und privat geschützt werden soll. Außerdem "dürfen wir die Definition der Regeln der Macht nicht einigen wenigen überlassen", betonte Lönneker weiter.

„Die Hälfte unserer Mitarbeiter müssen künftig wahrscheinlich Techniker sein. Wenn wir unseren Content nicht an die Leser bringen, ist er auch kein Geld wert.“
Laurence Mehl
Einige wenige, das sind vor allem die großen Internetkonzerne wie Google, Amazon, Facebook und Co, die Laurence Mehl, Geschäftsführer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) lieber kopieren statt fürchten würde - mit allen damit verbundenen Auswirkungen für das eigenen Haus. "Die Hälfte unserer Mitarbeiter müssen künftig wahrscheinlich Techniker sein. Wenn wir unseren Content nicht an die Leser bringen, ist er auch kein Geld wert." Deshalb müssten die Verlage, genauso wie sie jahrzehntelang an der Optimierung ihres Printprodukts gearbeitet hätten, an ihren digitalen Geschäftsmodellen feilen - "in Rekordzeit". Einen Partner für ein solches Vorgehen hätte Mehl übrigens auch schon im Blick: Spotify. Ein adäquates Modell für regionale Tageszeitungsverlage, das deren Inhalte ähnlich wie Musiktitel aggregiert und verkauft, muss dessen Deutschland-Chef Stefan Zilch allerdings erst noch basteln. Denn nicht die Auflösung von Ressortstrukturen oder die Bündelung der Inhalte nach Nutzungsmomenten sei das Problem, so NOZ-Geschäftsführer Mehl: "Ein Großteil der deutschen Verlage müsste sich dafür zusammentun. Das macht es schwierig." kl

Meist gelesen
stats