Medienschau Die größten Medien-Aufreger bei den Olympischen Spielen

Montag, 22. August 2016
Christoph Harting bei seiner Siegerehrung im Olympia-Stadion von Rio de Janeiro
Christoph Harting bei seiner Siegerehrung im Olympia-Stadion von Rio de Janeiro
Foto: ZDF

Die Olympischen Sommerspiele in Rio den Janeiro sind Geschichte. Neben den zahlreichen Highlights aus sportlicher Sicht bleiben natürlich auch die großen und kleinen Aufreger rund um die Wettkämpfe in Erinnerung. HORIZONT Online hat die aus Mediensicht größten Aufreger in Brasilien zusammengestellt.

Der braune Strich

Für den ersten Aufreger bei den Olympischen Spielen sorgte der ARD-Kommentator Carsten Sostmeier. Der Reitsportexperte dichtete der Olympia-Debütantin Julia Krajewski bei ihrem Vielseitigkeitsritt "einen braunen Strich in der Hose" an. Nachdem das Pferd der 27-Jährigen zwei mal verweigert hatte, legte der Sostmeiser nach: "Schlimmer geht's fast nimmer - fehlt nur noch, dass sie ausscheidet." Der Reitverband beschwerte sich, die ARD bat ihren Reitexperten zum Rapport, der sich für seine Wortwahl entschuldigte. Krajewski lehnte die Entschuldigung indes ab und wollte sich erst die Aufzeichnung ansehen.

Faxen bei der Siegerehrung

Christoph Harting bei seiner Siegerehrung im Olympia-Stadion von Rio de Janeiro
Christoph Harting bei seiner Siegerehrung im Olympia-Stadion von Rio de Janeiro (Bild: ZDF)
Christoph Harting, der jüngere Bruder von Olympiasieger Robert Harting, holte im Diskuswerfen überraschend Gold - und konnte mit der großen Aufmerksamkeit offensichtlich nicht so recht umgehen. Er verweigerte nach dem Wettkampf Interviews, ZDF-Reporter Norbert König den Handschlag und irritierte Zuschauer und Kommentatoren bei der Siegerehrung mit Faxen. Das ZDF bezeichnete den Auftritt von Harting in einem Beitrag als "provokant", Spiegel Online fand das Verhalten des Leichtathleten gegenüber dem ZDF-Kollegen "schlichtweg unhöflich und herablassend". "Ich bin kein PR-Mensch", entschuldigte sich Harting bei der verpflichtenden Pressekonferenz der Medaillengewinner.

Der "Volkslauf"-Auftritt der Hahner-Twins

Auch Anna und Lisa Hahner mussten sich für ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritt beim Marathon Kritik gefallen lassen. Die Zwillinge liefen nach einem eher mäßigen Rennen Hand in Hand als 81. und 82. ins Ziel. Durch ihren gemeinsamen Zieleinlauf konnten sie sich trotzdem über große mediale Aufmerksamkeit freuen. Die Leistung anderer Teilnehmerinnen wie der Regensburgerin Anja Scherl, die immerhin 44. wurde, ging angesichts dieses Auftritts unter. "Wenn die Hahners gemeinsam ins Ziel laufen wollen, strahlend und Händchen haltend, dann können sie das gern machen – auf dem Landhauslauf in St. Pölten oder dem Miss-Zöpfchen-Lauf in Solingen", schimpfte "Die Welt". Und auch der DLV kritisierte den Auftritt: "Es wirkte so, als absolvierten sie einen Volkslauf und nicht die olympische Entscheidung", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. Nicht nur der "Stern" fand die Kritik an den Hahner-Zwillingen übrigens "lächerlich".

Das brasilianische Publikum

Tatsächlich ziemlich unsportlich verhielt sich vielfach das heimische Publikum in Brasilien. Bei zahlreichen Entscheidungen, an denen brasilianische Sportler beteiligt waren, wurden die Gegner gnadenlos ausgepfiffen. Nicht alle Athleten konnten damit so souverän umgehen wie die deutschen Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die sich allen Pfiffen zum Trotz sowohl im Halbfinale als auch im Finale gegen ihre brasilianischen Gegegnerinnen durchsetzen konnten.

Der französische Stabhochspringer Renaud Lavillenie wurde bei der Preisverleihung derart ausgebuht, dass ihm auf dem Podium die Tränen kamen. Die deutschen Fußball-Frauen ließen sich beim Elfmeter-Training sogar von ihrem Stab auspfeifen, um ein Elfmeterschießen unter Live-Bedingungen zu proben.

"Einmalig unfair" findet der "Stern" das Verhalten des Publikums in Rio, die "Welt" bezeichnet das Verhalten der Brasilianer gar als "unerträglich ignorant". Etwas anders sieht "Spiegel Online" die Sache und erklärt das Verhalten der Brasilianer mit deren Emotionalität: Man hätte sich "kaum ein begeisterungsfähigeres Publikum wünschen können". Dumm nur, wenn man es gegen sich hat.

Das "Phelps-Face"

Olympiasieger Michael Phelps hat für eines der lustigsten Internet-Memes des Jahres gesorgt
Olympiasieger Michael Phelps hat für eines der lustigsten Internet-Memes des Jahres gesorgt (Bild: Todd Blake/Twitter)
Für den wohl größten Buzz in den sozialen Medien sorgte US-Schwimmstar Michael Phelps. Eine Kamera fing ein, wie der sonst meist gut gelaunte Rekord-Olympionike kurz vor einem Rennen grimmig das Gesicht verzog - eine Steilvorlage für die Netzgemeinde. Schon kurz darauf ging das #Phelpsface viral. Das erste Meme der Olympischen Spiele sorgte für in Spitzenzeiten für 14.000 Tweets pro Stunde.

Rassismus-Shitstorm gegen Ellen DeGeneres

Usain Bolt war erneut der Star der Olympischen Sommerspiele. Mit sagenhafter Leichtigkeit gewann der Jamaikaner die Rennen über die 100 und 200 Meter sowie die 4x100-Meter-Staffel. US-Talkmasterin Ellen DeGeneres ließ sich von Bolts Sieg im 100-Meter-Sprint zu einer Fotomontage inspirieren, die sie per Twitter verbreitete. Das Bild zeigt die Komikerin auf dem Rücken des Sprintstars, die Bildunterschrift lautet: "So mache ich von nun an meine Besorgungen". Eine weiße Frau auf dem Rücken eines schwarzen Mannes - da war der Shitstorm vorprogrammiert. Einen Tag später stellte DeGeneres ebenfalls per Twitter klar, sie sei sich sehr bewusst, dass es in den USA Rassismus gebe. Nichts liege ihr ferner. Usain Bolt hatte mit der Fotomontage übrigens offensichtlich kein Problem: Er retweetete das Bild sogar.

Der vorgetäuschte Raubüberfall

Für einen echten Skandal sorgten ausgerechnet die erfolgsverwöhnten US-Schwimmer. Bei einer nächtlichen Partytour randalierten Schwimmstar Ryan Lochte und drei seiner Kollegen auf der Toilette einer Tankstelle und wurden dabei von Sicherheitsleuten erwischt. Am Tag darauf erzählten die US-Boys, sie seien überfallen worden - offensichtlich, um ihre  Eskapaden zu vertuschen. Da sie sich dabei in Widersprüche verstrickten, flog der Schwindel allerdings auf. Die Polizei holte drei der vier beteiligten Schwimmer noch am Flughafen aus dem startbereiten Flieger, um sie zu befragen und zog die Pässe der Schwimmer ein. Erst nachdem sie erneut ausgesagt hatten und nach einer Spende an eine gemeinnützige Einrichtung durften die Amerikaner die Heimreise antreten.

Mongolische Ringer-Trainer ziehen blank

Die mongolischen Trainer forderten die Kampfrichter heraus
Die mongolischen Trainer forderten die Kampfrichter heraus (Bild: ZDF)
Für einen besonderen Moment sorgten kurz vor dem Ende der Spiele zwei Trainer aus der Mongolei. Deren Schützling, dem Ringer Mandakhnaran Ganzorig, wurde wegen unsportlichen Verhaltens in den letzten Sekunden seines Kampfes ein Punkt abgezogen, womit er die bereits sicher geglaubte Bronze-Medaille wieder verlor. Während der Ringer die Kampfrichter auf Knien um Gnade anbettelte, verloren seine Trainer die Beherrschung: Sie zogen sich bis auf die Unterhose aus und warfen den Kampfrichtern wutentbrannt ihre Kleider und Schuhe vor die Füße - in der Mongolei eine klare Aufforderung zum Kampf. Während das Publikum die beiden Trainer euphorisch feierte, ließen sich die Kampfrichter nicht beeindrucken. Die Bronze-Medaille gewann der Usbeke Ichtijor Nawrusow. dh
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