"Medienordnung 4.0" Pro Sieben Sat 1 fordert öffentliche Mittel für Privatsender

Montag, 03. Juli 2017
P7S1-Vorstand Conrad Albert fordert öffentliche Mittel
P7S1-Vorstand Conrad Albert fordert öffentliche Mittel

Pro Sieben Sat 1 Media stellt die Systemfrage. Der TV-Konzern fordert eine neue Medienordnung, in der auch private TV-Sender öffentlich-rechtliche Mittel beantragen können. Als Hauptgrund führt das Unternehmen die geringen Reichweiten von ARD und ZDF bei jungen Zuschauern an: "In dem Maße, in dem wir die Grundversorgung vor allem in jungen Segmenten de facto mitübernehmen, finden wir es sachgerecht, dass diese Inhalte aus öffentlichen Mitteln finanziert oder mitfinanziert werden", sagte Pro-Sieben-Sat-1-Vorstand Conrad Albert der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". 
Mit dem Modell einer "Medienordnung 4.0" wolle man eine Diskussion über eine "Neuausrichung der medienpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland anstoßen", teilte der Medienkonzern am Montag mit. Die Grundidee dieser neuen Medienordnung: Die Politik definiert im Rundfunkstaatsvertrag einen Public-Service-Auftrag. Im Rahmen von Auftragsausschreibungen sollen sich nach Vorstellung von Pro Sieben Sat 1 dann auch private Anbieter um die Produktion von Inhalten bewerben können. Eine staatsferne und unabhängige Kommission soll dann über die Auftrags- und Mittelvergabe entscheiden.  "Mit dem Modell einer 'Medienordnung 4.0' will Pro Sieben Sat 1 einen konstruktiven Beitrag zum laufenden medienpolitischen Diskurs leisten", betont Pro-Sieben-Sat-1-Manager Albert. "Uns jetzt für den Erhalt unserer ausgeprägten Medien- und Meinungsvielfalt zu engagieren, ist für unser Zusammenleben enorm wichtig. Dieses Engagement muss vor allem den jungen Zielgruppen gelten, denn sie sind die Wähler von morgen." 

Der TV-Konzern führt als Argument vor allem die geringen Reichweiten der öffentlich-rechtlichen Sender bei jungen Zuschauern ins Feld. ARD und ZDF müssten sich fragen lassen, ob sie ihren Auftrag überhaupt noch erfüllen, da sie nur noch einen Teil der Gesellschaft erreichen, sagte Albert der "FAS": "Nur fünf Prozent der Zuschauer von ARD und ZDF sind unter 30 Jahre alt. In der Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren erreichen wir mit 'Pro7 News' deutlich mehr Zuschauer als Tagesschau und Heute zusammen." 

Laut einer von Pro Sieben Sat 1 in Auftrag gegebenen juristischen Studie wäre ein solches Modell rechtlich möglich: Über das Beihilferecht könnten demnach auch private Rundfunksender finanziell unterstützt werden. dh
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