Medienkongress Matthias Ehrlich fordert Wertediskussion über Umgang mit Daten

Mittwoch, 15. Januar 2014
"Der Mensch denkt und lenkt - nicht die Maschine": BVDW-Präsident Matthias Ehrlich
"Der Mensch denkt und lenkt - nicht die Maschine": BVDW-Präsident Matthias Ehrlich


Big Data und der Umgang mit Daten sind in aller Munde. Matthias Ehrlich, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft hat auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt angesichts der aktuellen Skandale eine offene Wertediskussion über den Umgang mit Daten gefordert. Bei aller Automatisierung auch in der Vermarktung müsse dabei aber immer der Mensch im Mittelpunkt stehen. "Die Daten sind da - und Daten, die vorhanden sind, werden früher oder später auch gehoben und genutzt werden", betonte der ehemalige United-Internet-Manager. Spätestens mit dem Aufkommen des Internet seien wir endgültig eine informations- und datengetriebene Gesellschaft geworden. Der Zugang zu Daten verspreche zugleich wirtschaftliche Vorteile - und Macht. "Entscheidend ist also, wie wir mit diesen Daten umgehen und was wir daraus machen", so Ehrlich.

Der BVDW-Präsident forderte daher eine aktive und offene Wertediskussion über den Umgang mit Daten und warnte zugleich eindringlich vor einer "Maschinenstürmer-Mentalität", die eine automatisierte Nutzung von Daten verdamme. "Plumpe Innovationsfeindlichkeit hat Gesellschaften und Wirtschaften noch nie geholfen, sich zukunftsgewandt weiterzuentwickeln", mahnte Ehrlich.

Dabei müsse aber immer das Primat des Menschen gewahrt bleiben: "Der Mensch denkt und der Mensch lenkt - nicht die Maschine." Auch und gerade in der Medienvermarktung: Wenn Systeme wie der automatisierte Mediahandel die Beziehungen der Marktpartner dominiere oder gar ablöse, laufe etwas schief. "Der Mensch muss der Qualität und der zielgerichteten menschlichen Steuerung die Oberhoheit sichern."

Zugleich appellierte der BVDW-Präsident an die klassischen Medienhäuser, die Nutzung von Daten nicht zu blockieren, um ihre Position gegen die stärker werdende digitale Konkurrenz abzusichern. Da die Digitalisierung alle Mediengattungen betreffe, würden sie sich sonst von der Entwicklung abkoppeln. "Die digitalen Medien setzen die Vermarktungsmaßstäbe der Zukunft. (...) Online ist das Test- und Lernfeld für alle anderen Medien", betonte Ehrlich. Gesetzliche Limitierungen würden unweigerlich auch alle anderen Gattungen einschränken. Stattdessen plädierte der Verbandspräsident für gemeinsame und übergreifende Lösungen. "Digital ist die Chance, alle Medien in eine starke Vermarktungszukunft zu führen." dh

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