Medienbericht "Spiegel"-Chef Büchner will angeblich alle Ressortleiterstellen neu ausschreiben

Mittwoch, 20. August 2014
"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner (Bild: Der Spiegel/Carsten Milbret)
"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner (Bild: Der Spiegel/Carsten Milbret)

"Ressortleiter-Offensive gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner" lautete vor ein paar Wochen die Überschrift eines HORIZONT.NET-Artikels zu internen Querelen beim "Spiegel". Nun soll Büchner den Spieß umgedreht haben: Einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge hätten er und Geschäftsführer Ove Saffe verkündet, die Stellen aller Ressortleiter neu ausschreiben zu wollen.
Damit bekäme der redaktionsinterne Zwist, der seit Büchners Berufung zum "Spiegel"-Chefredakteur im April 2013 nie abgeklungen ist, eine neue Qualität. Laut "Berliner Zeitung" haben Büchner und Saffe die fünf geschäftsführenden Vertreter der mächtigen Mitarbeiter-KG im Beisein des "Spiegel"-Personalchefs darüber informiert, dass die Stellen aller Ressortleiter neu ausgeschrieben werden sollen. Und: Dem Bericht zufolge sollen künftige Ressortleiter sowohl für das gedruckte Blatt als auch für Spiegel Online zuständig sein. Der Spiegel-Verlag will sich hierzu auf Anfrage nicht äußern.

Die Verzahnung der privilegierten Print-Redaktion mit den Online-Kollegen gehört zu den wichtigsten Projekten Büchners - und zu den schwierigsten, weil die Printler bei einer eventuellen Zusammenlegung beider Redaktionen ihre Priviliegien wie Mitspracherecht in der Mitarbeiter-KG und Gewinnbeteiligung mit den Onlinern teilen müssten. Sollten neue Ressortleiter künftig für Print und Online gleichermaßen zuständig sein, wäre dies laut "Berliner Zeitung" eine strukturverändernde Maßnahme, die der Zustimmung durch die Mitarbeiter-KG bedurfte. Dem Bericht zufolge will sich das Führungsquintett der KG an diesem Mittwoch darauf verständigen, wie sie auf den Vorstoß Büchners und Saffes reagieren will.

Wie die Kräfteverhältnisse zwischen Büchner-Gegnern und seinen Verteidigern in der Redaktion wirklich sind, ist von außen schwer einzuschätzen. Reibereien zwischen Büchner und der "Spiegel"-Redaktion gibt es jedenfalls quasi schon seit dem Tag, da der Chefredakteur seinen Posten an der Ericusspitze angetreten hat. Für ein mittleres Beben sorgte etwa die Berufung des "Bild"-Mannes Nikolaus Blome in die Chefredaktion. Die Wogen glätteten sich erst, nachdem Büchner Blome eine Schulterklappe abnahm.

Ende Juli dieses Jahres kamen die Streitigkeiten zu ihrem vorläufigen Höhepunkt: Damals sollen die drei Ressortleiter Alfred Weinzierl (Deutschland), Susanne Amann (Stellvertreterin Wirtschaft) und Ullrich Fichtner (Gesellschaft) bei Saffe vorstellig geworden sein, um sich im Namen aller Ressortleiter gegen Büchner auszusprechen. ire
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